Tiny Cup. Beitragsbild.

Frankfurt

| Keine Kommentare

„Zwei Bildungstrinker unterwegs in Frankfurt am Main“, unter diesem Motto begaben wir uns Anfang Dezember 2015 in die Mainmetropole. Es galt, die kurze Verweilzeit in interessanten Etablissements bei gleichzeitiger Verinnerlichung köstlicher Drinks zu verbringen. Wir berichten über unsere Erlebnisse.

Der Fette Bulle

Bevor wir den liquiden Freitag Abend beginnen, gelüstet es uns nach fester Nahrung zum Aufbau einer ordentlichen Grundlage, um den Abend überhaupt physisch absolvieren zu können. Die us-amerikanische Küche soll die Basis herbeiführen, auf der wir dann in den Bars aufbauen können. Vor Reiseantritt haben wir uns bereits per Internet über die hiesigen kulinarischen Möglichkeiten informiert. Unsere Wahl fiel auf das Restaurant „Der Fette Bulle“, ein Burger-Restaurant in der Kaiserstraße 73, also nicht weit vom Hauptbahnhof gelegen. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht, der von uns aus der Speisekarte auserwählte Burger „Der Bulle“ und die dazu georderten Pommes frites mit Thymian und Rosmarin schmecken vorzüglich. Auch die selbstgemachte Zitronenlimonade schmeckt tadellos, überhaupt nicht süß und aufgrund der dezenten Säure ist sie sehr erfrischend.

Seven Swans & The Tiny Cup

Seven Swans & The Tiny Cup.

Seven Swans & The Tiny Cup. [1]

Unser Bar-Abend soll uns zunächst in das „Seven Swans & The Tiny Cup“ führen. Beim letzten Mixology Award wurde die Bar „The Tiny Cup“ als „Neue Bar des Jahres 2016“ ausgezeichnet. Pünktlich zur Eröffnung um 18:30 Uhr stehen wir also vor dem mit vier Metern Fassadenbreite schmalsten Haus Frankfurts und begehren mittels Betätigen der Klingel Einlaß zur Bar. Rasch wird uns dieser auch gewährt und wir treten neugierig ein. Vor Reiseantritt hatten wir bereits gelesen, daß die Bar mit 17 qm sehr überschaubar sei, was der Gemütlichkeit extremen Auftrieb verleiht. Das dezent eingesetzte Licht und das Mobiliar, welches lediglich aus der Bar mit einem vorgezogenen und somit vergrößerten Bartresen und ein paar Stehplätzen an der Wand gegenüber besteht, fördern die Wohlfühlatmosphäre, in der ungefähr 15 durstige Gäste verpflegt werden können.

Seven Swans & The Tiny Cup.

Seven Swans & The Tiny Cup. [1]

Nachdem wir vom Bartender nett begrüßt werden, setzen wir uns an die Bar und erhalten sogleich eine mit Wasser gefüllte Kanne, was unterstützend bei der Alkoholbewältigung wirkt und in guten Bars eine angenehme Sitte ist. Aufgrund der Platzverhältnisse fällt die Kommunikation mit dem Bartender sehr leicht und wir beginnen ein Beratungsgespräch für den ersten Drink. Wir berichten von unseren Präferenzen und unserer Vorstellung von einem guten Drink, woraufhin uns der Bartender den „Donny Lockwood“ empfiehlt. Dieser Old-Fashioned auf der Basis von Bulleit Rye und Ardbeg, abgerundet mit Ahornsirup und Mozart-Bitters, ist für uns ein gelungener Start in den Abend und macht Lust darauf, mehr Drinks in dieser Bar zu genießen.

The Tiny Cup.

The Tiny Cup. [1]

Während wir so dasitzen und uns mit dem Bartender unterhalten, klingelt es alle paar Minuten an der Tür. Die neupräsenten Gäste nutzen die Bar für einen Aperitif, denn in den Etagen über der Bar befindet sich das Restaurant „The Seven Swans“, welches vor Kurzem mit einen Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Diese Integration von Bar und Restaurant auf hohem Niveau empfinden wir als ein spannendes Konzept, und durchaus gelungen, zumal sich die Qualität der Sterneküche in der Bar fortsetzt.

The Tiny Cup.

The Tiny Cup. [1]

Als zweiten Drink kredenzt uns der Bartender einen Tequila Vanderbilt. Wie der Name schon vermuten läßt beinhaltet er Tequila, abgerundet mit Guignolet und Old Fashioned Bitters, und kommt ebenfalls lecker daher.  Zwar haben wir uns vorgenommen, nicht mehr als zwei Drinks pro Bar zu ordern, können es dann aber doch nicht sein lassen, bei so viel Wohlgefallen unsererseits eine Ausnahme zu machen: Als dritten Cocktail erbeten wir uns daher ein etwas alkoholreduziertes Getränk, denn der Abend ist ja noch lang und wir wollen noch andere Etablissements aufsuchen. Wir erhalten einen Vermouth-Cocktail, garniert mit einem Minzbüschel. Perfektion im Glas! Dieser in einem eiskalten Glas servierte Drink ist absolut erfrischend und mit jedem Schluck erhält man automatisch den Geruch der frischen Minze in die Nase verabreicht. Fantastisch!

Bevor wir unseren Weg in die Nacht fortsetzen, gibt uns der Bartender noch die Gelegenheit, einen Blick in den unter der Bar liegenden Gewölbekeller zu werfen. Hier kann man mit ungefähr zehn Personen an einem Tisch gemütlich beisammensitzen, Rauchen ist gestattet und sogar seine eigene mitgebrachte Musik darf man auf der vorhandenen Musikanlage abspielen. Es gefällt uns sehr. Wir verabschieden uns und fahren mit dem Taxi zur Kinly Bar in der Elbestraße.

Kinly Bar

Kinly Bar.

Kinly Bar. [2]

Der Eingang zur Bar ist schwer zu finden, erst nach dem Ermitteln der Hausnummer (es ist die 34) per Mixology Bar Guide entdecken wir eine Tür inklusive Klingel. Freundlich werden wir von einem Barcrewmitglied die Treppe hinab in die Bar geleitet. Da die Uhr kurz vorher erst 20 Uhr geschlagen hat, sind wir unter den ersten Gästen und so platzieren wir uns am Bartresen, wo wir dem mixenden Bartender am besten auf sein Handwerk schauen können. Die „Kinly Bar“ ist bei den Mixology Awards als „neue Bar des Jahres 2016“ nominiert worden, von daher sind wir sehr gespannt.

Kinly Bar.

Kinly Bar. [2]

Wir erzählen dem Bartender kurz, was wir mögen und nicht mögen und folgen dann der Empfehlung. Wir erhalten einen Drink ohne Namen, bestehend aus Ferdinand’s Dry Gin, Mezcal Amores, Tequila und Limette. Dieser schließt sich perfekt an die Drinks aus dem Tiny Cup an. Witzig ist, daß wir im Gespräch feststellen, daß wir uns letzte Woche im „Le Lion“ in Hamburg begegnet sind. Wir waren gerade im Aufbruch, als er hereinkam und glücklich war, daß er unseren Sitzplatz an der Bar ergattern konnte. Ich konnte mich nicht mehr wirklich an die Szene erinnern, oha, da war wohl doch Alkohol in den Löwen-Drinks! Wir unterhalten uns prächtig und genießen den Drink. Neben der gemütlichen Atmosphäre ist die liebevolle und kreative Gestaltung der Drinks zu erwähnen. Es gibt zum Beispiel einen, der in einer Box serviert wird. In diese Box wird Rauch eingeleitet, so daß dem Gast beim Öffnen derselben ein olfaktorisches Erlebnis beschert wird. Bei einem anderen Drink beobachten wir, daß ein Sisalstoff über das Glas gelegt wird, darauf wird Knabberkram arrangiert und der Drink wird dann mittels Strohhalm getrunken. Des weiteren haben uns die karamelisierten Maiskölbchen beeindruckt, allein schon des Geruchs wegen. Zu den Drinks erhält man stets ein Glas Wasser.

Kinly Bar.

Kinly Bar. [2]

Eine Ecke der Bar scheint für Gruppen bestimmt zu sein, die sich eine Schale Punsch zu Gemüte führen.

Als nächstes wird uns ein Corn ’n‘ Oil empfohlen und kredenzt. Wir sind beeindruckt. Anschließend folgte noch – wiederum unseren Vorsätzen untreu werdend – als dritter Drink ein Ranglum, der ebenfalls mundete und überzeugte.

Gegen 22 Uhr machen wir uns von dannen und fahren mit dem Taxi zum „Roomers“, bei den Mixology Awards zur „Hotelbar des Jahres“ gekürt. Leider werden wir vom Türsteher abgewiesen, da die Bar bereits voll sei. Schade. Also müssen wir umdisponieren. An unserem Alternativziel angekommen, prophezeit uns hier der Türsteher leider eine Wartezeit von einer halben Stunde.

The Tiny Cup #2

Tja, wir besinnen uns also auf Bewährtes, und suchen erneut das „Tiny Cup“ auf. Dort erhalten wir erfreulicherweise Zutritt, denn im Gewölbekeller gibt es für uns noch zwei Sitzplätze. Wir bestellen uns einen Rapscallion (Talisker, Sherry und etwas Absinth), der vorzüglichst mundet. Die mit uns im Gewölbekeller weilenden jungen Leute und wir (beiden Alten) führen spaßige Konversation, so daß keine Langeweile aufkommt.

Nachdem wir unseren Drink ausgetrunken haben, verabschieden wir uns von der lustigen Gruppe und versuchen erneut, Einlaß bei unserem Alternativziel zu erhalten. Dieses ist gut besucht. Wir bestellen uns einen „Pimm’s Cup“ und einen „Himbeer-Daiquiri“. Ersterer ist erfreulicherweise sehr leicht, also nicht so alkohollastig, was uns zu dieser abendlichen Zeit sehr entgegenkommt. Der „Himbeer-Daiquiri“ schmeckt nur nach Himbeere, vom Rum schmecken wir wenig. Die Himbeerstückchen stören ein wenig, hier wäre ein Abseihen besser gewesen. Schön wäre es gewesen, wenn man – wie in vielen Bars üblich – ein Glas Wasser gereicht bekommen hätte. Auch sonst finden wir den Service etwas unaufmerksam. Vielleicht lag das aber auch nur daran, daß es so voll war. Ganz unserem Grundsatz „nihil nisi bene“ gemäß, verschweigen wir als Gentlemen den Ort unserer Unzufriedenheit. Wir mögen vielleicht nur zum falschen Zeitpunkt dort gewesen sein und so einen falschen Eindruck erhalten haben.

The Parlour

The Parlour, Frankfurt.

The Parlour. [3]

Gegen Mitternacht verschlägt es uns per Taxi noch ins „Parlour“, das ebenfalls sehr gut besucht ist. Wir bestellen einen „Only in Florida“ (Bulleit Bourbon, Heu, Zitrone, St. Germain, Weizenbier und Williams Birne) on the rocks mit Tagetes dekoriert. Er schmeckt klasse, sehr erfrischend und ausgewogen. Der Abgang schillert, man kann ihn nicht so recht fassen, was ist das bloß? Fantastisch! Außerdem ordern wir noch einen „Babouche“, der sich ebenfalls als äußerst schmackhaft darstellt. Er enthält Cachaça, Ananas, Safran, Zitrone, Orange und Bier, das ganze on the rocks. Der Safran im Abgang unterstreicht das pure Erfrischungspotential des Drinks. Die Garnierung besteht aus einer dünnen Scheibe getrockneter, flambierter Ananas.

The Parlour, Frankfurt.

The Parlour. [3]

Eigentlich zieht es uns schon weiter ins naheliegende „Gekkos“, aber auf der Karte lockt uns doch noch ein Drink, der „Telemagenta“. Die Verlockung hatte ihre Berechtigung, denn der Drink mit Umeschu, Verjus, Caramel, PX Sherry, Rote Beete, Rum und dem Geruch nach dunkler Schokolade umschmeichelt den Gaumen göttlichst. Er kommt ebenfalls on the rocks daher und ist sehr außergewöhnlich, er ist fruchtig ohne dabei süß zu sein. Als Garnitur dient ein lilafarbenes Shiso-Blatt, welches sehr lecker ist.

Die Barmusik war unseren knapp 50 Jahre in Gebrauch währenden Ohren zu Anfang unseres Besuchs zu laut, aber in unserer Jugend war der Besuch einer Lokalität mit lauter Musik ja auch bei uns Usus. So ab 2 Uhr wird’s dann leiser und angenehmer, da sich die Bar leert.

Man arbeitet viel mit modernen Methoden, „sous vide“ zum Beispiel. Eigentlich eine Barkultur wie vor hundert Jahren mit einem Hang zum Perfekten, jedoch mit modernen Methoden und Hilfsmitteln.

Gerne hätten wir noch einen Abstecher zum nahegelegenen Gekkos gemacht, doch verständlicherweise gewährte man uns ob der fortgeschrittenen Uhrzeit (es war kurz vor 3) keinen Einlaß mehr.

Fazit

Unser Ausflug nach Frankfurt war rundum gelungen, und alle der von uns namentlich  genannten und besuchten Bars lohnen definitiv einen Besuch. Wir waren bestimmt nicht das letzte mal dort!

Quellen
  1. Die Fotos wurden freundlicherweise vom „Tiny Cup“ zur Verfügung gestellt.
  2. Die Fotos wurden freundlicherweise von der „Kinly Bar“ zur Verfügung gestellt.
  3. Die Fotos wurden freundlicherweise vom „Parlour“ zur Verfügung gestellt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie dient lediglich dazu, daß wir gegebenenfalls direkt mit Dir Kontakt aufnehmen können.