Rapscallion.

Rapscallion

| Keine Kommentare

Dies ist für uns ein moderner Klassiker. Es ist ein Twist auf einen Manhattan Cocktail bzw. Rob Roy. Anders als zumeist angenommen, wird er jedoch nicht mit Absinth zubereitet, sondern mit einer mit diesem verwandten Spirituose.

Rapscallion.

Rapscallion.

40 ml Talisker 57°
20 ml Lustau San Emilio PX
2,5 ml Pontarlier Anis Ponsec

Zubereitung: Gerührt, mit Zitronenzeste abspritzen.

Der Rapscallion stammt von Adeline Shepard und Craig Harper und entstand im Jahr 2007 in der Ruby Bar in Kopenhagen. [1] [4] [5] [6] Adeline und ihr Mann Rasmus eröffneten die Bar im selben Jahr. [6]

Anfänglich bereitete sie den Drink mit einem Johnnie Walker Black Label zu. Das änderte sich, und heute verwendet man in der Bar einen zehnjährigen Talisker. [6] Interessant ist, daß wir unabhängig davon auch zu dem Ergebnis gekommen sind, daß ein Talisker hervorragend paßt; wir haben uns für den Talisker 57° entschieden.

Wir haben einige Rezepte gefunden, die neben Scotch, PX-Sherry und Absinth hinaus noch andere Zutaten verwenden, beispielsweise Schokoladenlikör oder Maraschino. [2] [3] Doch das hat mit dem Original nur entfernt zu tun. Wie sich zeigt, herrscht ein großes Mißverständnis vor. Wie uns die Ruby Bar versicherte, war das Verhältnis immer 40 ml Scotch, 20 ml PX-Sherry und 2,5 ml Pastis. Absinth kommt und kam nie zum Einsatz. [7] Daß dies heute allgemein angenommen wird, mag damit zusammenhängen, daß Jim Meehan in seinem vor ein paar Jahren erschienenen „The PDT Cocktail Book“ Absinth verwendete und publizierte, da es in den USA keinen Pastis gab. Er versäumte jedoch, dies in seinem Buch entsprechend zu vermerken. So ist heute fast jeder der Meinung, in einen Rapscallion müsse Absinth. [4] [7]

Wir haben im Vorfeld zahlreiche Varianten verkostet und auch selber ausprobiert. In der Tat hat sich abschließend ergeben, daß Absinth nur die zweite Wahl ist. Mit einem Pastis erhält man das stimmigere Ergebnis.

Wir wollen in diesem Zusammenhang also näher auf Pastis eingehen. Pastis ist eine Spirituose auf Basis von Anis und stammt ursprünglich aus Frankreich. Grundzutat war ursprünglich Anis, heute wird jedoch meist Sternanis verwendet. Weitere natürliche Pflanzenextrakte oder -samen sind erlaubt, solange der Anisgeschmack vorherrschend bleibt. Pastis darf die Spirituose jedoch nur genannt werden, wenn sie darüber hinaus auch Extrakte des Süßholzes enthält. Pastis ist eine relativ junge Spirituose. Im März 1915 wurden nicht nur Herstellung, Vertrieb und Konsum des thujonhaltigen Absinths verboten, sondern auch die gesamte Kategorie der „Anisspirituosen“.  Als Absinthersatz stellten okzitanische Bauern heimlich einen Ersatz für Absinth her. Der Name dieses Ersatzes stammt vom okzitanischen Wort pastís ab, beziehungsweise vom französischen pastiche, was „Nachahmung“ bedeutet. Erst 1920 wurden in Frankreich diverse Anisspiritousen unter gewissen Auflagen wieder zugelassen. [8] [9]

Worauf es also ankommt – auch im Rapscallion – ist zunächst einmal der Anisgeschmack und dann (zweitrangig) die Süßholzaromatik. Wir haben uns beim Ausmixen erlaubt, neben echtem Pastis auch ein Produkt ohne Süßholz auszuprobieren – mit noch besserem Ergebnis. Unserer Meinung nach verbessert sich der Rapscallion ohne Süßholz ungemein. Bei uns zum Einsatz kam der Anisée Ponsec der Destillerie Guy aus Pontarlier. Diese Brennerei hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts auf Absinthe spezialisiert, und so war das Absinthverbot für sie ein schwerer Einschnitt. Mit der Zulassung von Anisspirituosen im Jahr 1920 konnte die Familie Guy jedoch wieder etwas produzieren, was einem Absinth ähnlich war. Der von uns verwendete Ponsec basiert auf einem Absinth, jedoch fehlt in ihm der Wermut. Der Ponsec wurde 1921 auf den Markt gebracht und wird bis heute ausschließlich aus grünem Anis und ein paar zusätzlichen Kräutern destilliert. Seit Anbeginn verwendete man keinen Sternanis, denn im Gegensatz zu Sternanis „ist grüner Anis nicht dominant, beißend und betäubend, sondern floral, leicht und würzig – eben genau so, wie man es vom Absinthe her kennt.“ [9] Auf die Idee, den Ponsec anstelle eines Pastis zu verwenden, hat uns Markus Lion von Lion Spirits gebracht. Als Fachmann für Absinth und anverwandte Produkte hatten wir ihn vor dem Hintergrund des Rapscallions gefragt, welchen Pastis er als Standard-Mixzutat empfehlen könne. Er empfahl uns den Ponsec, denn dieser seit 1921 hergestellte Anisée sei im Gegensatz zu den meisten Pastis, die kalt gemischt würden, ein Kräuterdestillat, das hauptsächlich aus andalusischem Anis bestehe. Es sei ein süffiger Anisée und werde im französischen Jura jedem Pastis vorgezogen. Wie müssen ihm Recht geben. Es ist ein zauberhaftes Produkt für jeden, der mit Anis etwas anfangen kann.

Doch nun zurück zum Rapscallion. Mit der Expertise, daß der Ponsec im französischem Jura einem Pastis vorgezogen werde, dachten wir, man müsse ihn dann durchaus einmal im Rapscallion versuchen. Das Ergebnis überzeugte uns sofort, und wir erlauben uns daher, unser Rezept entsprechend zu verändern, wissend, daß man eigentlich einen Pastis nehmen müßte. Nun, versucht es einfach aus und entscheidet selbst, welcher Variante Ihr den Vorzug gebt.

In ihrem Menü beschreibt die Bar den Drink dem Diffords Guide zufolge als „An unabashedly smoky, Scottish version of the Manhattan. Talisker single malt whiskey and stirred over pedro ximenez sweet sherry with a Ricard pastis rinse. A well-loved signature Ruby Cocktail“ [1] also als eine rauchige, schottische Version des Manhattan, für die ein Talisker Single-Malt-Whiskey mit einem süßem Pedro-Ximenez-Sherry gerührt und in einem mit Pastis von Ricard gespültem Glas serviert werde.

Genau genommen ist der Rapscallion nicht nur eine Abwandlung eines Manhattan Cocktails, sondern auch des Rob Roy. Letzterer ist ein Manhattan Cocktail, der mit Scotch zubereitet wird. Der Rapscallion verwendet Scotch, was ihn mit dem Rob Roy verbindet. Der Wermut wird durch PX-Sherry ersetzt, wodurch der Drink süßer wird, und der im Manhattan mögliche Absinth wird durch Pastis ersetzt. Somit ist er auch mit einem „sweet fancy Manhattan cocktail“ verwandt.

Die Ruby Bar verwies uns bei unserer Anfrage zu diesem Drink auf den Rapscallion-Beitrag von „Cocktails of Copenhagen“, teilte uns jedoch mit, daß man die dort gegebene Rezeptur abwandeln müsse und nur 2,5 ml Pastis verwenden sollte, da ansonsten der Anis zu dominant werde. [5] [6] [7] In diesem Beitrag wird Pastis direkt in den Rührbecher gegeben, und so halten wir es deshalb auch, zumal diese Zubereitungsweise ja quasi von der Ruby-Bar als Referenz genannt wurde.

Übersetzt bedeutet Rapscallion übrigens Gauner, Halunke, Tunichtgut. Wie man auf den Namen kam, konnten wir nicht direkt ermitteln, jedoch gibt uns Jim Meehan in seinem Buch einen Hinweis. In einer Randnotiz läßt er uns wissen: „Als dieser Cocktail etwas mehr hielt, als versprochen, bekam er den Namen Rapscallion – Tunichtgut.“ [4]

Rapscallion.

Rapscallion.

Quellen
  1. https://www.diffordsguide.com/cocktails/recipe/3249/rapscallion: Rapscallion.
  2. https://wordpress.zarkov.de/2015/10/09/rapscallion-cocktail-rezept/: Rapscallion Cocktail – Rezept. Von Dirk Wäscher, 9. Oktober 2015.
  3. https://www.liquor.com/recipes/aberlour-the-rapscallion/: The Rapscallion.
  4. Jim Meehan: Das Geheime Cocktail-Buch (The PDT Cocktail Book, New York 2011). ISBN 978-3-89955-436-6. Berlin, Die Gestalten Verlag, 2012. Seite 215.
  5. http://cocktailsofcopenhagen.dk/rapscallion/: Rapscallion. Ruby’s finest legacy. Von Jiri Malis.
  6. E-Mail von Jeppe Nothlev, Ruby, Kopenhagen, 15. August 2018.
  7. E-Mail von René H. Larsen, Ruby, Kopenhagen, 20. August 2018.
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Pastis: Pastis.
  9. https://www.lion-spirits.de/destillate/anis/francois-guy/853/pontarlier-anis-ponsec: Pontarlier Anis Ponsec.

Rezepte

2011 Jim Meehan: Das Geheime Cocktail-Buch. Seite 215. Rapscallion. 6,5 cl Talisker Single Malt Scotch; 2 cl Lustau Pedro Ximénez Sherry; Absinth zum Spülen des Glases; mit Zitronenschale abspritzen; keine Garnitur..

2018 http://cocktailsofcopenhagen.dk/rapscallion/. Rapscallion. 40ml Talisker 10; 20ml Pedro Ximenez Sherry;1 barspoon Pernod Ricard Pastis; Add all ingredients into a mixing glass and stir thoroughly. Pour into a coupe and garnish with a lemon peel.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie dient lediglich dazu, daß wir gegebenenfalls direkt mit Dir Kontakt aufnehmen können. Wir nutzen die eingegebene E-Mailadresse zum Bezug von Profilbildern bei dem Dienst Gravatar. Weitere Informationen und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung .