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British Navy Rum, Teil 2: Die Royal Navy und der Rum bis 1823

British Navy Rum 2, Titelbild.

In diesem Beitrag betrachten wir die Geschichte des British Navy Rums von seinen Anfängen bis ins Jahr 1823.

Vor 1655

Von 1600 bis zum Ende des englischen Bürgerkriegs im Jahr 1649 war die Royal Navy im Niedergang begriffen. Nach dem Bürgerkrieg wurde sie jedoch in bemerkenswerter Weise unterstützt. Mehr als die Hälfte der Einnahmen wurden von der britischen Regierung für die Royal Navy ausgegeben. Niemals danach wurde ein solch hoher Prozentsatz erneut erreicht. Selbst gegen Ende der Regierungszeit von Queen Victoria, die im Jahr 1901 verstarb, in der die Marine nach langer Zeit der Vernachlässigung erneut besonders unterstützt wurde, wurde nur weniger als ein Viertel des Regierungsbudgets für die Navy aufgewendet. [2-16] [20] [21]
Doch bereits 1660, mit der Thronbesteigung durch Charles II, konnte für die Marine nicht mehr so viel Geld ausgegeben werden. [2-17]

1655-1763

Die Anfänge des Rums

Man liest oft, dass die Geschichtsschreibung des Rums der British Navy im Jahr 1655 beginne. Die Argumentation ist diese: damals eroberte man Jamaika von den Spaniern und hätte dann Rum erstmals an Bord von Schiffen der Royal Navy ausgegeben. Der Grund war einfach: zwar waren Bier und Wasser regulärer Proviant, und Wasser wurde am Ankunftsort oder unterwegs aufgefüllt, doch beides konnte nicht haltbar gemacht werden. Bier wurde innerhalb weniger Wochen sauer und Wasser wurde schnell faulig und schleimig, denn Algen begannen darin zu wachsen. Wasser trank man normalerweise erst, nachdem das Bier aufgebraucht war. [2-14] Auf Jamaika angekommen, musste ein Ersatz gefunden werden, und man fand ihn schließlich im Rum. [2-14] [2-15] Ich möchte bezüglich dieser Jahreszahl meine Bedenken anmelden: 1655 gab es anscheinend noch keine Rum-Destillerien auf Jamaika, sehr wohl aber auf Barbados. Ich frage mich auch, warum erst auf Jamaika Rum an Bord gebracht wurde und nicht schon auf Barbados? Man darf nicht alles, was geschrieben steht, für bare Münze nehmen.

Unter spanischer Herrschaft wurde in Jamaika hauptsächlich Tabak angebaut, Zuckerrohr nur in geringem Umfang. Aus spanischer Zeit gibt es keine Berichte über eine Rumproduktion oder einen Rumkonsum auf Jamaika. Beides entstand erst unter britischer Herrschaft. Man bedenke: 1654, also ein Jahr vor der britischen Eroberung, hatte Jamaika nur 2.500 Einwohner. [5]

Es ist zudem so, dass die Ausgabe von Rum auf britischen Kriegsschiffen nach der Eroberung Jamaikas im Jahr 1655 bis hinein ins 18. Jahrhundert unklar sind. Zudem gab es vor 1731 diesbezüglich keine Vorschriften oder Anweisungen in der Royal Navy; die Oberbefehlshaber entschieden selbst und legten die Regeln einer möglichen Rum-Ausgabe fest. [2-15]

Zwar war es den Kapitänen erlaubt, Bier durch fortifizierten Wein zu ersetzen oder – so glaubt man – auch durch Brandy, doch all das gab es auf den Westindischen Inseln nicht. Rum hingegen konnte man erwerben. Dessen Verwendung war zwar durch das Verpflegungsamt, das ›Victualling Board‹, noch nicht offiziell genehmigt, war aber eine naheliegende Alternative. [2-15]

Gleichwohl muss man davon ausgehen, dass Rum auf den Schiffen zum Einsatz kam und kein Brandy. Dafür war jener einfach zu günstig. Deshalb schrieb Sir Dalby Thomas, der Gouverneur von Jamaika, im Jahr 1690: »Wir müssen die aus Melasse gewonnenen Spirituosen in Betracht ziehen … deren Wert, wenn sie vollständig zu Spirituosen verarbeitet würde, jährlich über 500.000 Pfund betrüge, und zwar zur Hälfte des Preises, den die gleiche Menge Branntwein kostete.« [8-14] [8-15]

– »We must consider the spirits arising from Melasses … which, if it were all turned into spirits, would amount annually to above £500,000 at half the price the like quantity of brandy would cost.« [8-14] [8-15]

Man weiß nicht, von welcher Qualität der Rum damals war. Im Vergleich zu den späteren, anspruchsvoll durchkomponierten Blends war er aber sicherlich weniger gut. Zudem konnte seine Alkoholstärke bis zur Erfindung von Bartolomew Sikes’ Hydrometer im Jahr 1816 nicht genau gemessen werden; er war damals entweder ›proof‹ oder nicht ›proof‹. [2-16]

Die Unterscheidung in ›proof‹ und nicht ›proof‹ hat seinen Ursprung im 16. Jahrhundert. Damals begann man in England damit, Spirituosen je nach Alkoholgehalt unterschiedlich zu versteuern. Brannte die Spirituose, war sie ›proof‹. Eine weitere Methode war es, Schießpulver mit einer Spirituose zu tränken. Wenn das Schießpulver dann noch entzündet werden konnte, war die Spirituose ›proof‹. ›Proof‹ entspricht traditionell einem Alkoholgehalt von 57,15 vol%. [3]

Eine Nation der Rum-Trinker

Dank seiner Kolonien wurde Großbritannien im 18. Jahrhundert zu einer wohlhabenden Nation. Sie wurde auch zu einer rumtrinkenden Nation; das belegen die Statistiken. Im Jahr 1697 wurden gerade einmal 100 Liter (22 Gallonen) Rum in Großbritannien angelandet. [8-15] Um 1750 wurden bereits 4,5 Millionen Liter Rum importiert, und diese Menge sollte sich in den nächsten zwei Jahrzehnten verdreifachen. [5] 1780 machte Rum 25% des gesamten Spirituosenkonsums aus. [5] [8-15]

Der erste große Rum-Hafen war Bristol, von dem aus ursprünglich Handel mit Barbados getrieben wurde. Während des 18. Jahrhundert stammte fast 60% des Handels der Stadt aus der Karibik. Ab 1780 nahm der Handel ab, denn die Schiffe konnten den Hafen nicht mehr erreichen, da die enge Schlucht des Avon nicht ausgebaggert werden sollte. Der Handel verlagerte sich nach London. [8-15]

Auch Glasgow betrieb schon bald nach der Kolonialisierung Handel mit Barbados. Dort nahm im Jahr 1667 das ›Wester Sugar House‹ seinen Betrieb auf, bald gefolgt von einer Brennerei. Weitere Brennereien entstanden ebenfalls. Rum wurde zwar importiert, aber er wurde auch lokal gebrannt! Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war nämlich die Destillation und nicht die Raffination von Zucker die Haupttätigkeit der ›Sugar Houses‹, nicht nur in Glasgow, sondern auch in Bristol, London und Liverpool. [5] [8-15]

Jamaika als Marinestützpunkt

Doch wenden wir unseren Blick zurück nach Jamaika. Nach der Eroberung Jamaikas unterhielt die British Navy in der Karibik nur zwei Inselstützpunkte, an denen eine angemessene logistische Unterstützung für Kriegsschiffe geboten werden konnte; sie lagen auf Barbados und Jamaika. [2-19]

Jamaika entwickelte sein volles Potential als Stützpunkt der Navy nach der Eroberung im Jahr 1655 jedoch nur langsam. Im Jahr 1727 lag beispielsweise die HMS Greyhound in Port Royal vor Anker, und die Besatzung musste beim Bau einer kielholenden Werft helfen. Die Arbeiterschaft war aufgrund des heißem Klimas lethargisch. [2-18] John Gascoigne, der Kapitän der Greyhound, [19] schrieb deshalb an Bord seines Schiffes am 14. Februar 1727: »Wenn es irgendetwas gibt, das sie zufrieden stellt, dann ist es vielleicht eine doppelte Zulage für Rum, die zu dem zusätzlichen Lohn, den man ihnen zu geben gedenkt, hinzukommt.« [2-18] [2-19]

– »If anything can make it agreeable to them, it may be a double allowance of rum being joined to what extra pay may be thought proper to give them.« [2-18] [2-19] [19]

Dabei erhielt die Besatzung bereits als Alternative zum Bier täglich eine halbe Pinte Rum pro Tag. John Gascoigne schlug also vor, diese Menge auf eine Pinte zu erhöhen, auf mehr als einen halben Liter, um sie dazu zu bewegen, härter zu arbeiten! [2-19]

Rum als offizieller Bestandteil der Ration

1731 war es schließlich, als eine offizielle Anweisung herausgegeben wurde, der zufolge die tägliche Rumration der Navy, als Alternative zum Bier, eine halbe Pinte betragen solle. Erstmals wurden einheitliche Regeln für die Marine aufgestellt, und darin heißt es: »Von den Vorräten. Für den Fall, dass der Service eine Änderung der vorstehenden Angaben über den Proviant auf Schiffen, die auf Auslandsreisen eingesetzt werden, für notwendig erachtet, ist zu beachten, dass eine Pinte Wein oder eine halbe Pinte Brandy, Rum oder Arrak als Proviant für eine Gallone Bier gilt.« [2-19]

– »Of the Provisions. In case it should be thought for the Service to alter any of the foregoing particulars of provisions in ships employed on foreign voyages, it is to be observed that a pint of wine or half a pint of brandy, rum or arrack, hold provision to a gallon of beer.« [2-19]

Das Jahr 1740 und Admiral Vernon definieren einen weiteren Meilenstein für den Navy Rum. Admiral Vernon wurde von den Seeleuten für seine Menschlichkeit verehrt, denn er beachtete ihre Belange. Man sagt sogar, er sei so etwas wie ›ein Nelson im Kleinformat‹ gewesen. Was Reformen betraf, war seiner Zeit voraus, und immer wieder forderte er die Admiralität auf, sie möge mehr Menschlichkeit walten lassen. Dieses Entgegenkommen hatte jedoch seinen Preis: er erwartete von seinen Seeleuten hohe Standards – die er auch erhielt. [2-21]

Jedoch gab es auf Jamaika ein Problem: Rum war billig und leicht erhältlich. Mit etwas Einfallsreichtum konnte man ihn unbemerkt an Bord schmuggeln. Beispielsweise wurden Kokosnüsse angebohrt, die enthaltene Kokosmilch herausgegossen, die Nuss dann mit Rum gefüllt und wieder verschlossen. [2-22]

Ein Zuviel an Rum war ein gängiges Problem, und die Lösung desselben lag für Admiral Vernon darin, ihn mit Wasser verdünnt auszugeben. Das war die Geburtsstunde des Grogs. [2-22]

Im Jahr 1756 wurden die Vorschriften aus dem Jahr 1731 erweitert. Nachdem der Grog 1740 unter Admiral Vernon erschienen war, erfolgte 1756 die offizielle Anweisung der Admiralität, Rum bei der Ausgabe mit Wasser zu verdünnen. [2-29] Gleichzeitig wurden Vorschriften hinsichtlich der sicheren Lagerung von Rum in separaten Räumen an Bord erlassen, denn Rum war eine brennbare Flüssigkeit, weshalb man auf einem Holzschiff besondere Sorgfalt walten lassen musste, um Brand und Explosion zu vermeiden. [2-30]

Die Bedeutung von Rum wird auch aus einem Brief ersichtlich, der im Jahr 1757 an das britische Parlament gerichtet war und in dem es heißt: »es ist tödlich, auf dem Feld Bier oder Wasser zu trinken. Ohne eine Mischung aus Rum im Winter ist es unmöglich, die Kälte zu ertragen.« [7-35]

– »it is death to drink beer or water in the field. Without a mixture of rum in the winter, it is impossible to endure the cold.« [7-35]

1763-1793

Die Admiralität hatte kein Problem damit, die Versorgung mit Rum zu gewährleisten. Er war verfügbar und billig. So sahen es die Seeleute die tägliche Rum-Ration schnell als ihr Recht an, und forderten ihn ein, wann immer er verfügbar war. Ihn zu verweigern, bedeutete Probleme zu erzeugen. [2-41]

Sir Gilbert Blane of Blanefield, geboren im Jahr 1749 und verstorben 1834, war ein schottischer Arzt, der eine Gesundheitsreform in der Royal Navy einführte. [18] Er empfahl die Verwendung von Spruce Beer, Porter, Ale und Wein anstelle der stärkeren alkoholischen Destillate. [2-41] Er schrieb: »Der Missbrauch von Spirituosen ist überall äußerst schädlich, sowohl als Unterbrechung der Pflicht als auch als Schaden für die Gesundheit. Das gilt besonders für die Westindischen Inseln, weil der Rum von schlechter und ungesunder Qualität ist und weil diese Art der Ausschweifung in einem heißen Klima schädlicher ist als in einem kalten und eine der häufigsten Ursachen für die Erregung der bösartigen Fieber ist, die den tropischen Ländern eigen sind. Zu Recht wird dem neuen Rum vorgeworfen, er sei ungesünder als der alte; denn wenn er lange gelagert wird, wird er nicht nur schwächer und milder durch das Ausatmen eines Teils des Alkohols, sondern es wird auch Zeit für die Verdunstung eines gewissen ekelerregenden, empyreumatischen Prinzips gelassen, das bei der Destillation übergeht und für den Magen sehr unangenehm ist. Ein weiterer Einwand gegen den auf den Westindischen Inseln angebotenen Rum ist die Beimischung von Blei, die er von den bei der Destillation verwendeten Kesseln erhält. Ursprünglich war es üblich, den Seeleuten die ihnen zugeteilte Menge an Spirituosen unverdünnt zu servieren. Die heute gebräuchliche Methode, ihm Wasser beizumischen, wurde erstmals von Admiral Vernon im Jahr 1740 eingeführt und erhielt den Namen Grog. Dies war eine große Verbesserung, denn die Menge von einer halben Pinte, die jedem Mann täglich verabreicht wird, berauscht die meisten Menschen in erheblichem Maße, wenn sie auf einmal und in reinem Zustand eingenommen wird.« [1-323] [1-324] [17-357]

John Brown Hamilton: Transactions of the International medical congress. 1887, Seite 357.
John Brown Hamilton: Transactions of the International medical congress. 1887, Seite 357. [17-357]

– »The abuse of spirituous liquors is extremely pernicious everywhere, both as an interruption to duty and as it is injurious to health. It is particularly so in the West Indies, both because the rum is of a bad and unwholesome quality and because this species of debauchery is more hurtful in a hot than in a cold climate, and one of the most common causes of exciting the malignant fevers peculiar to tropical countries. It is with reason that the new rum is accused of being more unwholesome than what is old ; for when long kept it not only becomes weaker and more mellow by part of the spirit exhaling, but time is allowed for the evaporation of a certain nauseous, empyreumatic principle which comes over in the distillation, and which is very offensive to the stomach. Another objection to the rum supplied in the West Indies is the admixture of lead, which it acquires from the vessels employed in distilling. It was originally the custom to serve seamen with their allowance of spirits undiluted. The method now in use, of adding water to it, was first introduced by Admiral Vernon, in the year 1740, and got the name of grog. This was a great improvement, for the quantity of half a pint, which is the daily allowance to each man, will intoxicate most people to a considerable degree, if taken at once, in a pure state.« [1-323] [1-324] [17-357]

Natürlich ist seine Auffassung, das Trinken von Rum wäre die Ursache für ›bösartiges Fieber‹ längst widerlegt. Sein Hinweis darauf, dass gereifter Rum besser verträglich sei als neuer, ist jedoch wichtig, mag dies doch ein Grund dafür sein, einen gereiften Navy-Rum auf den Schiffen zur Verfügung zu stellen.

A. James pack stellt treffend fest: »Blane hatte natürlich Recht, denn die Reifung des Rums und das Blending wurden immer wichtiger, um eine Spirituose zu schaffen, die an Bord von Schiffen akzeptabel war, bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Rum der Marine die die bestmögliche Qualität erreichte. Der Rum-Broker, die Versorgungsabteilung und der Verbraucher (die Seeleute selbst) trugen alle dazu bei, es zu einem Thema für Kenner zu machen.« [2-41]

– »Blane was right of course, for the aging of rum along with its and blending became increasingly important in providing a liquor which was acceptable aboard ship until that time when naval rum acquired vintage quality. The rum broker, the victualling department and the consumer (the seamen themselves), all helped to make it a subject of connoisseurs.« [2-41]

Zentralisierung der Rum-Versorgung

Doch in den frühen Tagen der Rum-Ration, als sie nur auf Schiffen in westindischen Gewässern ausgegeben wurde, wurde Rum direkt vor Ort von lokalen Lieferanten erworben. Der Purser (Proviantmeister) des Schiffes musste akzeptieren, was ihm angeboten wurde, egal wie schlecht die Qualität oder wie hoch der Preis des Rums war. [2-43]

Als später jedoch in England Rum regelmäßig als Proviant an Schiffe geliefert werden musste, wurde diese Auslieferung von Verpflegungskommissaren über Vertragspartner organisiert. Da sie den Rum jedoch nicht selber umschlugen, konnte der Purser eines Schiffes immer noch unehrlichen Vertragspartnern ausgeliefert sein. [2-43]

Ursprünglich hatte sich das Proviantamt unabhängig von der Marine entwickelt. Beide wuchsen nur langsam zusammen. Ab 1742 wurden die Lagerhäuser vom Tower Hill flussabwärts nach Deptford verlegt und wurden dort mehr und mehr der direkten Kontrolle durch das Amt unterstellt. Schließlich hatten die Kommissare die absolute Kontrolle über die Rum-Lieferungen. Im Jahr 1782 erließ das Schatzamt allgemeine Vorschriften für die zollfreie Entgegennahme und Lagerung von Spirituosen. Auf deren Grundlage war es dem Proviantamt möglich, mit nur einem einzigen Broker einen Kontrakt über die Lieferung von Rum abzuschließen. Dies führte, so vermutet man, höchstwahrscheinlich auch zu einer Verbesserung der Rum-Qualität, da kein Broker einen so wertvollen Vertrag verlieren wollte. [2-43]

Deptford Dockyard

A View of the Royal Dockyard at Deptford, 1789.
A View of the Royal Dockyard at Deptford, 1789. [22]

An dieser Stelle sollten wir uns kurz dem Deptford Dockyard zuwenden, denn hier wurde der Navy-Blend hergestellt. In Deptford gab es Rumlager, die 1780 erbaut wurden. [16-22] Wikipedia schreibt: »Deptford Dockyard war eine bedeutende Marinewerft und ein Stützpunkt in Deptford an der Themse, der vom 16. bis zum 19. Jahrhundert von der Royal Navy betrieben wurde. Sie hat 350 Jahre lang Kriegsschiffe gebaut und gewartet, und viele bedeutende Ereignisse und Schiffe sind mit ihr verbunden. Die Werft wuchs im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert schnell, umfasste ein großes Gebiet und diente eine Zeit lang als Hauptsitz der Marineverwaltung, und die zugehörige Proviantwerft wurde zum Hauptdepot des Proviantamtes.« [9]

– »Deptford Dockyard was an important naval dockyard and base at Deptford on the River Thames, operated by the Royal Navy from the sixteenth to the nineteenth centuries. It built and maintained warships for 350 years, and many significant events and ships have been associated with it. … The yard expanded rapidly throughout the sixteenth and seventeenth centuries, encompassing a large area and serving for a time as the headquarters of naval administration, and the associated Victualling Yard became the Victualling Board’s main depot.« [9]

Desweiteren schreibt Wikipedia: »HM Victualling Yard, Deptford war eine Versorgungswerft der Royal Navy, die neben der Deptford Royal Dockyard an der Themse lag. Von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis in die frühen 1960er-Jahre hinein wurde der Standort fast 300 Jahre lang für die Versorgung mit Proviant genutzt. … Die im späten 18. Jahrhundert erneuerte Anlage wurde bald zum größten lebensmittelverarbeitenden Betrieb in Großbritannien, wenn nicht sogar in Europa. … Darüber hinaus belieferte sie routinemäßig die anderen Marinewerften im In- und Ausland mit Vorräten (zur Ergänzung der vor Ort beschafften oder produzierten Waren), die von Rum, Lebensmitteln und Tabak bis hin zu Kleidung und medizinischem Material reichten. … Nach der Abschaffung der Bierration in den 1830er Jahren wurde das Brauen auf der Werft eingestellt; das alte Sudhaus wurde stattdessen zu einem Bekleidungslager. Rum wurde zum wichtigsten alkoholischen Proviant der königlichen Marine, und Deptford kümmerte sich um die Versorgung damit.« [10]

– »HM Victualling Yard, Deptford was a Royal Navy Victualling Yard established alongside Deptford Royal Dockyard on the River Thames. There was victualling activity on the site for the best part of 300 years from the mid-17th century through to the early 1960s. … Rebuilt in the late 18th century, it soon became ‚the largest food-processing operation in Britain, if not in Europe‘. … In addition, it routinely supplied the other naval victualling yards, both at home and abroad, with items of stock (to supplement those sourced or produced locally) ranging from rum, food and tobacco to clothing and medical supplies. … Brewing ceased in the yard after the beer ration was discontinued in the 1830s; the old brewhouse instead became a clothing store. Rum then became the main alcoholic provision of the Royal Navy and Deptford managed its supply.« [10]

Steigerung des Bedarfs

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775 bis 1783) stieg der Bedarf an Rum von Jahr zu Jahr. Ohne Zweifel war Rum populär und wurde allen anderen Alternativen vorgezogen. [2-49] Der Platz an Bord war begrenzt, und wenn die Schiffe nicht in heimischen Gewässern lagen, war es nicht immer möglich, den Rum-Vorrat aufzufüllen. In fremden Häfen wurden deshalb die durch Vorschriften erlaubte Ersatzprodukte erworben. [2-49]

Im Mittelmeer war Wein und manchmal auch Brandy erhältlich; im Fernen Osten war es Arrak. Dieser hatte den Ruf, stark zu sein, aber es gibt keine Belege dafür, dass er an Bord sehr gemocht wurde. Man trank ihn erst, wenn alle anderen Spirituosen aufgebraucht waren. Auch Wein wurde, da in der Regel von nur mittelmäßiger Qualität, als schlechter Ersatz für Rum angesehen. Die Favoriten waren zwei spanische Weißweine: Rosolio und Mistela. Letzterer erhielt von den Seeleuten die Bezeichnung »Miss Taylor«. [2-50] [2-51]

Exklusive Brokerrechte für James Man

Im Jahr 1784 wurden die exklusiven Brokerrechte für die Lieferung von Rum an die Royal Navy an James Man vergeben. Er war Küfer und Händler, der mit zahlreichen von den Westindischen Inseln stammenden Waren handelte. Er beschaffte Rum, ungefähr mit ›40% overproof‹. Dieser Rum wurde an ein Zoll-Lager geliefert und dort vom Versorgungsamt gekauft. Das Amt organisierte dann mit der Zoll- und Verbrauchssteuerbehörde den Transport des Rums nach Deptford, und später nach Gosport und Devonport, wo der Alkoholgehalt für die Versorgung der Schiffe herabgesetzt wurde. [2-70]

James Man muss gute Arbeit geleistet haben, denn dessen Familie lieferte im Rahmen dieses Vertrages fast zweihundert Jahre lang Rum. [2-70]

1793-1824

Die West India Docks

Wir müssen uns auch mit den ›West India Docks‹ befassen, denn dort wurde in London der aus den West Indies stammende Rum angelandet.

Eine Ansicht der geplanten West India Docks und des City Canal von W. Daniell.
Eine Ansicht der geplanten West India Docks und des City Canal von W. Daniell. [23]

Die englische Wikipedia schreibt: »Die West India Docks sind eine Reihe von drei Docks, Kais und Lagerhäusern, die gebaut wurden, um Waren von den britischen Westindischen Inseln zu importieren und Waren und gelegentlich Passagiere dorthin zu exportieren. Das erste Dock befand sich auf der Isle of Dogs in London und wurde 1802 eröffnet. … Robert Milligan (ca. 1746-1809), der aus einer schottischen Familie stammte, war maßgeblich für den Bau der West India Docks verantwortlich. Er war ein wohlhabender westindischer Kaufmann, Sklavenhändler und Reeder, der nach London zurückkehrte, nachdem er die Zuckerplantagen seiner Familie auf Jamaika geleitet hatte. …Milligan stand an der Spitze einer Gruppe einflussreicher Geschäftsleute – darunter George Hibbert, der Vorsitzende der London Society of West India Planters and Merchants, der Kaufmann, Politiker und Reeder war -, die sich für die Errichtung eines von einer hohen Mauer umgebenen Nassdocks einsetzten. Die Gruppe plante und baute die West India Docks und setzte sich beim Parlament für die Gründung einer West India Dock Company ein. Milligan fungierte sowohl als stellvertretender Vorsitzender als auch als Vorsitzender der West India Dock Company. Die Docks wurden durch den West India Dock Act 1799 genehmigt. Die Docks wurden in zwei Phasen gebaut. Die beiden nördlichen Docks wurden zwischen 1800 und 1802 für die West India Dock Company gebaut … Die Docks wurden am 27. August 1802 offiziell eröffnet … In den folgenden 21 Jahren waren alle Schiffe im Westindienhandel, die den Londoner Hafen anliefen, durch eine Klausel im Parlamentsgesetz, das ihren Bau ermöglicht hatte, gezwungen, die ›West India Docks‹ zu benutzen. Das südliche Dock, das South West India Dock, später bekannt als South Dock, wurde in den 1860er Jahren gebaut. … Die ursprünglichen Docks bestanden aus einem Importdock mit einer Wasserfläche von 30 Morgen (120.000 m2), das später North Dock genannt wurde, und einem Exportdock mit einer Fläche von 24 Morgen (97.000 m2), das später Middle Dock genannt wurde. Zusammen hatten die Docks eine Liegeplatzkapazität von über 600 Schiffen. … Um das Importdock herum wurde eine durchgehende Reihe von fünfstöckigen Lagerhäusern gebaut … Das Exportdock benötigte weniger Gebäude, da die Ladung bei der Ankunft verladen wurde. Zum Schutz vor Diebstahl wurde der gesamte Komplex von einer 6,1 m (20 Fuß) hohen Ziegelmauer umgeben.« [12]

– »The West India Docks are a series of three docks, quaysides, and warehouses built to import goods from, and export goods and occasionally passengers to the British West Indies. Located on the Isle of Dogs in London, the first dock opened in 1802. … Robert Milligan (c. 1746–1809) of a Scottish family, was largely responsible for the construction of the West India Docks. He was a wealthy West Indies merchant, slave trader and ship owner, who returned to London having managed his family’s Jamaica sugar plantations. Outraged at losses due to theft and delay at the extensive (continuously along the Thames for 11 miles (18 km)) riverside wharves comprising the Port of London, Milligan headed a group of powerful businessmen (including George Hibbert, the chairman of the London Society of West India Planters and Merchants who was a merchant, politician, and ship-owner) who promoted the creation of a wet dock circled by a high wall. The group planned and built West India Docks, lobbying Parliament to allow the creation of a West India Dock Company. Milligan served as both deputy chairman and chairman of the West India Dock Company. The docks were authorised by the Port of London Improvement and City Canal Act 1799. The docks were constructed in two phases. The two northern docks were constructed between 1800 and 1802 for the West India Dock Company … The docks were formally opened on 27 August 1802 … For the following 21 years all vessels in the West India trade using the Port of London were compelled to use the West India docks by a clause in the act of Parliament that had enabled their construction. … The southern dock, the South West India Dock, later known as South Dock, was constructed in the 1860s. … The original docks consisted of an Import Dock of 30 acres (120,000 m2) of water, later named North Dock, and an Export Dock of 24 acres (97,000 m2), later named Middle Dock. Between them, the docks had a combined capability to berth over 600 vessels. … Around the Import Dock a continuous line of five-storey warehouses was constructed … The Export Dock needed fewer buildings as cargo was loaded upon arrival. To protect against theft, the whole complex was surrounded by a brick wall 20 ft (6.1 m) high.« [12]

Was gibt es darüber hinaus über die West India Docks zu berichten? Dort wurde Rum gelagert. Mit Kränen und hydraulischen Maschinen wurden die Rum-Fässer bereits 1819 gehandhabt. [13] Matt Pietrek schreibt, dass sich in den West India Docks das größte Rum-Lager, das die Welt je gesehen hat, befand: »Die 40.000 Fässer enthielten mehr als 18 Millionen Liter Rum. Diese Menge an Rum, verdünnt auf 40 Prozent Alkoholgehalt, würde mehr als 48 Millionen der heutigen 750-ml-Flaschen füllen.« [14]

– »The 40,000 rum puncheons within contained more than 18 million liters. That amount of rum diluted to 40 percent ABV would fill more than 48 million of today’s 750 ml bottles[14]

Ein kleiner Skandal war es übrigens, als bekannt wurde, dass die Navy während des Zweiten Koalitionskrieges gegen Frankreich, der von 1798 bis 1802 andauerte, selbst in Kriegszeiten vertraglich mit Brandy von französischen Händlern beliefert wurde. [2-51] [15] Es gab also auch in geringeren Mengen Brandy bei der Navy.

Die Messung des Alkoholgehalts verbessert sich

Der Alkoholgehalt von Rum wurde zunächst nur als ›proof‹ oder ›nicht proof‹ bestimmt. Nachdem Bartolomew Sikes im Jahr 1816 das Hydrometer erfunden hatte, war eine zuverlässigere Bestimmung möglich. 1818 wurde der damit gemessene Alkoholgehalt als Grundlage für Steuern definiert. [2-16] [2-70] [2-71]

Organisatorische Änderungen

In den ersten zwei Jahrzehnten nach Beendigung des Zweiten Koalitionskrieges wurde eine Organisation geschaffen, die den Anforderungen der Flotte wesentlich besser gerecht werden konnte. [2-71]

Das Ritual der Ausgabe von Rum-Rationen

Von der Zeit Vernons bis zum Ende der Napoleonischen Kriege, die 1815 [11] endeten, wurde Grog, also mit Wasser verdünnter Rum, in der Navy üblicherweise zweimal täglich ausgegeben, wenn kein Bier zur Verfügung stand. [2-146] Daraus hatte sich ein Ritual entwickelt, und zu Napoleons Zeiten spielte der ›Fiddler‹ oder ›Fifer‹ eines Schiffes darin eine wichtige Rolle. Der Beginn seines Spiels kündigte die Ausgabe des Rums an. Lieblingssong in der Navy dafür war ›Nancy Dawson‹. So begann mit der morgendlichen Ausgabe um 12 Uhr nach harter Arbeit der angenehme Teil des Tages. Die zweite Ausgabe erfolgte am Abend. [2-146]

Horatio Nelson und seine Aufbewahrung in einem Brandy-Fass

Der Tod von Horatio Nelson in der Schlacht von Trafalgar im Jahre 1805 an Bord der HMS Victory darf nicht unerwähnt bleiben. Sein Leichnam wurde in ein Fass gelegt, in dem sich Brandy befand, gemischt mit Kampher und Myrrhe. Das Fass wurde am Hauptmast der Victory festgezurrt und unter Bewachung gestellt. Diese Entscheidung war nicht unumstritten; die Öffentlichkeit war später der Meinung, es wäre besser gewesen, ihn stattdessen in Rum zu legen, um ihn besser zu konservieren. Nach der Schlacht wurde die Victory nach Gibralter geschleppt, und dort wurde der Leichnam in einen mit Weinbrand gefüllten, bleiverkleideten Sarg gelegt und nach England verschifft. [4]

Gleichwohl hält sich die Legende von ›Nelson’s Blood‹: ›Nelsons Blut‹ war die Bezeichnung, die Rum nach der Schlacht von Trafalgar gegeben wurde, weil man irrtümlich glaubte, dass Lord Nelsons Leiche in einem Fass mit reinem Rum nach England zurückgebracht wurde. [2-196] Diese Legende wurde noch weiter ausgeschmückt, und manche behaupten, dass auf dem Rückweg viele Seeleute das Fass anzapften, in dem sich Nelsons Leichnam befand, und den Rum daraus tranken, so dass es am Ende der Reise fast leer war. [6-63]

Der nächste Beitrag dieser Serie wird sich mit der Geschichte des British Navy Rums ab 1823 beschäftigen.

Quellen
  1. https://archive.org/details/observationsondi1789blan/page/322/mode/2up?q=drinks Gilbert Blane: Observations on the diseases of seamen. The scond edition. London, 1789.
  2. https://archive.org/details/nelsonsbloodstor0000pack/page/128/mode/2up?q=%22british+naval+rum%22 A. J. Pack: Nelson’s blood. The story of naval rum. ISBN 0-87021-944-8. Naval Institute Press, 1982.
  3. https://en.wikipedia.org/wiki/Alcohol_proof Alcohol proof.
  4. https://en.wikipedia.org/wiki/Horatio_Nelson,_1st_Viscount_Nelson Horatio Nelson, 1st Viscount Nelson.
  5. Tristan Stephenson: The curious bartender’s guide to rum. ISBN 978-1-78879-238-7. London, 2020.
  6. Richard Foss: Rum. A Global History. ISBN 978 1 86189 926 2. Reaktion Books Ltd, London, 2012.
  7. https://archive.org/details/rumcuriousindisp0000minn Fred Minnick: Rum curious. The indispensable tasting guide to the world’s spirit. ISBN 978-0-7603-5173-4. Quarto Publishing Group USA Inc., 2017.
  8. https://archive.org/details/rummanual0000broo/page/14/mode/2up Dave Broom: Rum. The Manual. London, 2016.
  9. https://en.wikipedia.org/wiki/Deptford_Dockyard Deptford Dockyard.
  10. https://en.wikipedia.org/wiki/HM_Victualling_Yard,_Deptford HM Victualling Yard, Deptford.
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Koalitionskriege Koalitionskriege.
  12. https://en.wikipedia.org/wiki/West_India_Docks West India Docks.
  13. https://www.british-history.ac.uk/survey-london/vols43-4/pp284-300 The West India Docks: The buildings, warehouses. Survey of London: Volumes 43 and 44, Poplar, Blackwall and Isle of Dogs. Originally published by London County Council, London, 1994.
  14. https://cocktailwonk.com/2019/06/curious-tale-of-a-pineapple-press-and-the-west-india-docks.html Matt Pietrek: The Curious Tale of a Pineapple Press and the West India Docks. 21. Juni 2019.
  15. https://de.wikipedia.org/wiki/Black_Tot_Day Black Tot Day.
  16. https://archive.org/details/docklandillustra0000unse/page/14/mode/2up?q=%22west+india+docks%22+%22rum%22+%22navy%22 Anonymus: Dockland – An illustrated historical survey of life and work in East London. London, 1986.
  17. https://archive.org/details/b28124157_0005/page/354/mode/2up?q=%22with+reason+that+the+new+rum+is+accused+of+being%22 John Brown Hamilton: Transactions of the International medical congress. Ninth session. Volume IV. Washington D.C., 1887.
  18. https://en.wikipedia.org/wiki/Gilbert_Blane Gilbert Blane.
  19. https://en.wikipedia.org/wiki/HMS_Greyhound_(1720) HMS Greyhond (1720).
  20. https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_(Vereinigtes_K%C3%B6nigreich) Victoria (Vereinigtes Königreich).
  21. https://de.wikipedia.org/wiki/Englischer_B%C3%BCrgerkrieg Englischer Bürgerkrieg.
  22. https://en.wikipedia.org/wiki/File:A_View_of_the_Royal_Dockyard_at_Deptford,_1789.jpg View of the Royal Dockyard at Deptford, 1789.
  23. https://en.wikipedia.org/wiki/File:WestindiaviewofproposalWDaniell1802.jpg A view of the proposed West India Docks and City Canal by W Daniell, 1802.

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Hallo, ich bin Armin, und in meiner Freizeit als Blogger, freier Journalist und Bildungstrinker möchte ich die Barkultur fördern. Mein Schwerpunkt liegt auf der Recherche zur Geschichte der Mischgetränke. Falls ich einmal eine Dir bekannte Quelle nicht berücksichtigt habe, und Du der Meinung bist, diese müsse berücksichtigt werden, freue ich mich schon darauf, diese von Dir zu erfahren, um etwas Neues zu lernen.