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Die soziokulturelle Geschichte des Pousse Cafés. Teil 3: Kaffeekultur in Frankreich

Titelbild.

Nachdem wir von Hanna Diyāb mehr über den Genuß von Kaffee im Orient und in Paris erfahren haben, betrachten wir nun die Ankunft orientalischer Sitten in Paris genauer. Eine wichtige Rolle spielt dabei der osmanische Botschafter und sicher auch der französische König, der in Versailles Kaffeepflanzen kultivierte.

Die Ankunft orientalischer Sitten

Bereits bevor es öffentliche Kaffeehäuser gab, genoß man Kaffee. In Frankreich soll der erste Kaffee im Jahr 1644, [18-87] 1654 [17-8] oder 1660 [14-29] nach Marseille gebracht worden sein; in Venedig beispielsweise trank man ihn bereits im Jahr 1615. [17-8] Doch in Frankreich muss schon zuvor Kaffee erhältlich gewesen sein. Wie wir im vorherigen Kapitel belegten, wurde schon zuvor, unter Ludwig XII, König von 1610 bis 1643, in Paris Kaffee getrunken.

Mit dem Kaffee kamen auch orientalische Sitten und Gewohnheiten mit nach Frankreich. [10-12] Zunächst konsumierten nur wenige Kaffee, der in minimalen Mengen importiert wurde. [10-13] Auch im Rest Europas wurde der allgemeine Kaffeekonsum erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts üblich. [14-30]

Ebenfalls in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden in Europa die ersten Kaffeehäuser errichtet, und zwar im Jahr 1645 in Amsterdam, [11-10] 1647 in Venedig, [2] 1650 in Oxford, [2] 1652 in London, [2] [7-363] 1671 in Marseille, [2] [14-29] spätestens 1671 in Paris [19-23] (wobei wir glauben, dass es wesentlich früher war), und 1673 in Bremen. [2] Man findet jedoch auch andere Jahreszahlen. Es scheint also nicht so ganz klar zu sein. Dabei ist die genaue Jahreszahl vielleicht auch nicht ganz wichtig. Wichtig ist nur, daß in jenen Jahren Kaffeehäuser nicht nur im Osmanischen Reich vorhanden waren, sondern sich auch in Europa ausbreiteten. [8]

Der Botschafter von Mehmed IV.

Im Jahr 1669, manche schreiben auch 1670, kam der osmanische Botschafter Suleiman Aga an den Hof Ludwig XIV. [10-17] [12]  [26] Die Hofgesellschaft liebte Neuheiten, und so wurden die kleinsten Handlungen und Gesten des Botschafters mit äußerster Aufmerksamkeit beobachtet. [10-17] [10-18]

Schon bald nach seiner Ankunft begann der Botschafter damit, Gäste zu empfangen und ihnen Kaffee zu servieren. Schon bald sprach ganz Paris von seinen prächtigen Kaffeegesellschaften. [5] [6-91] [13-65] Man begeisterte sich für die Dinge des Orients, die pariser Gesellschaft fand Gefallen am Kaffee, er wurde schnell ihr Lieblingsgetränk, und auch nach der Abreise des Botschafters trank man weiterhin Kaffee. [5] [10-17] [10-18] [14-30] [18-88] Jean Leclant beschreibt es so: »Nach seiner Abreise betrachteten es alle, denen das unschätzbare Privileg zuteil geworden war, von ihm empfangen zu werden, als Ehrensache, den Gästen eine Kostprobe des Getränks anzubieten, das in aller Munde war. Und so wurde es in der gesamten adligen Gesellschaft allmählich zur Mode, beim Empfang von Gästen Kaffee zu servieren. Bald wollte auch die Bourgeoisie die neue Geschmacksrichtung probieren.« [18-88]

– »After his departure, all those who had been granted the inestimable privilege of being received by him considered it a point of honour to offer guests a taste of the drink that everyone was talking about. And so, throughout noble society, it gradually became the fashion to serve coffee when receiving guests. Soon the bourgeoise also wanted to sample the new flavor.« [18-88]

Später beschrieb man die Empfänge mit den Worten: »Auf gebeugten Knien servierten die schwarzen Sklaven des Botschafters in den prächtigsten orientalischen Kostümen den erlesensten Mokka-Kaffee in winzigen Tassen aus Eierschalen-Porzellan, heiß, stark und duftend, ausgeschenkt in Untertassen aus Gold und Silber, auf bestickten, mit Goldbändern besetzten Seidentüchern, den großen Damen, die ihre Fächer mit vielen Grimassen wedelten und ihre pikanten Gesichter – gerötet, gepudert und geschminkt – über das neue, dampfende Getränk beugten.« [6-91]

»On bended knee, the black slaves of the Ambassador, arrayed in the most gorgeous Oriental costumes, served the choicest Mocha coffee in tiny cups of egg-shell porcelain, hot, strong and fragrant, poured out in saucers of gold and silver, placed on embroidered silk doylies fringed with gold bullion, to the grand dames, who fluttered their fans with many grimaces, bending their piquant faces — be-rouged, be-powdered and be-patched — over the new and steaming beverage.« [6-91]

Kaffee als Luxusgetränk

Zunächst war Kaffee aber ein teures Luxusgut und wenigen vorbehalten, denn nur Aristokraten und wohlhabende Bürger konnten sich diesen anfangs leisten. [1] [10-19] [14-30]

Nach den Adligen in Versailles begannen auch Adligen in Paris damit, Kaffee zu trinken, ebenso wohlhabende Bürger. Der Kaffeegenuß wurde auch von Adligen aus der Provinz übernommen, und da sie dort ebenfalls nachgeahmt wurden, verbreitete sich der Kaffee, ausgehend von den Metropolen, im französischen Königreich. [10-20] [10-21]

Kaffee war ein Modegetränk, das neue Eß- und Sozialgewohnheiten mit sich brachte. Er war ein Getränk, das nach und nach den Wein bei bestimmten Anlässen und zu bestimmten Tageszeiten ersetzte, und man trank ihn entweder zu Hause oder in speziellen Lokalen, während man sich unterhielt. [10-19]

Zwar gab es unabhängig von französischen Sitten überall in Europa Kaffeehäuser. Wir sind jedoch der Meinung, daß die Kaffeekultur im übrigen Europa dennoch stark von französischen Sitten geprägt wurde, die in jener Zeit prägend für Europa waren und aller Orten übernommen wurden. Man wird nicht ganz fehl gehen in der Annahme, daß sich Kaffee als Genußmittel im 17. Jahrhundert, ausgehend vom Hofe Ludwig XIV. und Ludwig XV., an dem man heißen, gezuckerten Kaffee trank, im übrigen Europa ausbreitete und sich in einigen Ländern das nachmittägliche Kaffeetrinken und auch die Sitte, ihn nach den Mahlzeiten zu servieren, verbreitete. [1]

Manche schreiben, Kaffee kam am Hofe von Ludwig XIV. nur langsam in Mode, denn dies sei erst unter Ludwig XV. geschehen. [6-92] Hanna Diyābs Bericht widerspricht jedoch dieser Aussage, denn er berichtet über den Kaffeehausbesitzer Estephan: „Der Minister ließ ihn zu sich rufen und hieß ihn ein Café in Versailles eröffnen, damit die Söhne der Prinzen nicht seinen Laden in Paris besuchten. Er kam der Aufforderung nach, eröffnete dort ein Café und kümmerte sich um die Kaffeeversorgung im Königspalast.“ [9-295] Diese Aufforderung erfolgte unter der Regierung von Ludwig XIV.

Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris. Zweyter Band. 1784, Seite 112-114.
Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris. Zweyter Band. 1784, Seite 112-114. [22-112] [22-113] [22-114]

Die Lust auf Kaffee war auch ein steuerliches Problem. Die ›Briefe eines reisenden Franzosen‹ aus dem Jahr 1784 berichten über Friedrich den Großen: »Der König bekömmt die genauesten Tabellen von den Sachen, welche der Luxus aus der Fremde bezieht. Sieht er, daß ein Artikel unmäßig steigt, so erschwert er durch die Erhöhung der Akzise die Konsumtion desselben, wie er es vor kurzem mit dem Kafee machte, der nach seinen Listen in den letzen Jahren einige Millionen Livres aus seinen Landen zog. … Der König, welcher in allen Dingen die Ordnung der Natur strenge befolgt, arbeitete lange nicht so sehr daran, Geld vom Auslande zu gewinnen, als vielmehr die Kanäle zu stopfen, wodurch aus seinen Staaten Geld in die Fremde ausfliessen könnte.« [21- 393] [22-112] [22-113] [22-114]

Gottfried Traugott Gallus: Geschichte der Mark Brandenburg. Sechster Band. 1805, Seite 473.
Gottfried Traugott Gallus: Geschichte der Mark Brandenburg. Sechster Band. 1805, Seite 473. [23-473]

Friedrich der Große führte 1766 eine Steuerreform durch. Luxusgüter, darunter auch Kaffee, wurden besteuert, Nahrungsmittel der Armen, Brot und Schweinefleisch, sollten dabei gar nicht besteuert werden.  Diese Reform sollte mithilfe des Franzosen Launay und seiner Landsleute durchgeführt werden. Kaffee wurde monopolisiert, und Kaffee wurde geschmuggelt. Um Schmuggel unmöglich zu machen, durfte nur noch gebrannter Kaffee in gelöteten Blechbüchsen verkauft werden. Für das eigene Brennen benötigte man einen offiziellen Brennschein. Um diese Anordnungen zu kontrollieren, gab es die vom Volk so genannten ›Kaffeeriecher‹. [23-472] [23-473] [24-29] [25-5] Diese Kaffeeriecher werden beschrieben als »eine eigene Menschengattung von Aufpassern, welche die Straßen auf- und abwanderten, und gleich Spürhunden an allen Thüren und Fenstern ihre Geruchsnerven anspannten, um zu riechen, ob irgendwo Kaffee gebrannt worden wäre. Eine solche Masregel mußte allgemeines Murren erregen, und das Gefühl jedes Bürgers zum Verdruß aufreizen, da er in seinem Hause stündlichen Visitationen ausgesetzt war.« [23-473]

J. D. E. Preuß: Friedrich der Große. Dritter Band. 1833, Seite 29.
J. D. E. Preuß: Friedrich der Große. Dritter Band. 1833, Seite 29. [24-29]

Man schreibt hierzu auch: »Die französischen Kaffeeriecher wurden ein Gegenstand des bittersten Volkshasses und der König sah sich, der vielen Strafen für den Schleichhandel wegen, auf de Launay’s Vorschlag, genöthigt, die Auflage zu ermäßigen.« [24-29]

Kaffeepflanzungen in Versailles

In Versailles wurde Kaffee angebaut, und von dort aus gelangten Kaffeepflanzungen auf französische Kolonien. Sehr schön wurde dieser Themenkomplex im Jahr 1832 von Coubard d’Aulnay in seiner Monographie über den Kaffee aufgearbeitet. Überlassen wir ihm also das Wort, wir könnten es nicht besser beschreiben:

»Ein Franzose hatte die Ehre, als erster zu versuchen, den Kaffee in einem anderen Klima als dem seines Heimatlandes zum Erfolg zu führen. Er pflanzte 1670 in der Nähe von Dijon Kaffeebohnen an, die zwar aufgingen, aber keinen Erfolg hatten. Nicolas Witsen aus Amsterdam war der erste, der 1690 den Baum von Moka nach Batavia transportierte, wobei einige von frischen Beeren und andere von dem Baum selbst sprachen. Dieser erste Versuch hatte die glücklichsten Ergebnisse. Der Gouverneur von Batavia schickte im selben Jahr eine Pflanze in die Gewächshäuser von Amsterdam. Herr de Ressons, Generalleutnant der Artillerie und Botanikliebhaber, brachte die erste Kaffeepflanze aus Holland nach Frankreich und präsentierte sie 1712 Ludwig XIV. in Marly, von wo aus sie nach Paris in den Jardin des Plantes geschickt wurde; sie brachte Blüten und Früchte hervor, starb aber bald ab. Da schickte Herr de Brancas, Bürgermeister von Amsterdam, 1714 einen anderen Stamm als Geschenk an Ludwig XIV. Von dieser Pflanze, die in der Erde des Jardin du Roi gezüchtet wurde, stammen alle Kaffeepflanzen, die heute in unseren Kolonien angebaut werden. 1716 wurden junge Pflanzen, die aus den Samen des Jardin des Plantes gezogen worden waren, dem Arzt Isambert anvertraut, um sie in unsere Kolonien zu bringen; da dieser Arzt jedoch kurz nach seiner Ankunft starb, hatte dieser erste Versuch nicht den Erfolg, den man sich von ihm erhofft hatte. Im Jahr 1723 vertraute der Arzt de Chirac dem normannischen Edelmann de Clieux, Infanteriekapitän und Fähnrich, eine Kaffeepflanze die, der nach Martinique gebracht werden sollte. Die Überfahrt war lang und gefährlich; das Wasser auf dem Schiff war knapp und wurde nur in kleinen Rationen verteilt. Herr de Clieux, der die Wichtigkeit der Verbreitung dieser Frucht in unseren amerikanischen Kolonien erkannte und seinem Land eine neue Quelle des Reichtums erhalten wollte, teilte die ihm anvertraute Wasserration mit dem kostbaren Strauch und hatte das Glück, ihn schwach, aber nicht in hoffnungslosem Zustand auf Martinique an Land zu bringen. Er pflanzte ihn an die Stelle seines Gartens, die für sein Wachstum am günstigsten war, umgab ihn mit Dornenhecken und ließ ihn auf Sicht bewachen. Im ersten Jahr erntete er zu seiner Freude zwei Pfund Samen. Er schenkte sie Herrn de la Guarigue Survillier, Oberst der Milizen auf Martinique, und verschiedenen Einwohnern der Insel, die sie anpflanzten. Herr Blondel Jouvencourt, Verwalter der Windward-Inseln, stellte in einer Urkunde in guter Form vom 22. Februar 1722 fest, daß im Garten von Herrn Survillier im Stadtteil Sainte-Marie mehrere Kaffeepflanzen standen, darunter neun Bäume, die seit zwanzig Monaten nicht mehr in der Erde standen; in derselben Urkunde wurde festgestellt, daß es auf Martinique 200 Bäume mit Blüten und Früchten, mehr als zweitausend weniger fortgeschrittene und viele andere gab, deren Samen nur nicht in der Erde standen.[14-37] [14-38] [14-39] [14-40]Von Martinique aus wurden Pflanzen nach Saint-Domingue, Guadeloupe und anderen angrenzenden Inseln gebracht. Einige Autoren behaupten jedoch, dass der Kaffee bereits 1715 nach Saint-Domingue gebracht worden sei.« [14-43]

G.-E. Coubard d’Aulnay: Monographie du café. 1832, Seite 37-40.
G.-E. Coubard d’Aulnay: Monographie du café. 1832, Seite 37-40. [14-37] [14-38] [14-39] [14-40]

– »Un Français eut I’honneur de tenter le premier de faire réussir le Cafe dans un autre climat que celui de son pays natal. II planta en 1670, aux environs de Dijon, des grains qui levèrent, mais ne réussirent pas. Nicolas Witsen, d’ Amsterdam, fut le premier qui, en 1690, transporta, les uns disent des baies récentes, d’autres, I’arbre mème de Moka à Batavia. Ce premier essai eut les plus heureux résultats. Le gouverneur de Batavia en envoya, la mème année, un pied dans les serres d’Amsterdam. M. de Ressons, lieutenant-général d’artillerie et amateur de botanique, apporta en France le premier pied de Cafier, venu de Hollande, et présenté a Louis XIV, en 1712, à Marly, d’où il fut envoyé à Paris au jardin des Plantes; on lui vit produire des fleurs et des fruits, mais il ne tarda pas à mourir. Ce fut alors que M. de Brancas, bourguemestre d’Amsterdam, en 1714, envoya un autre pied en présent à Louis XIV. C’est de ce pied, éléve dans la terre du Jardin du Roi, que sont provenus tous les Cafiers que l’on cultive actuellement dans nos colonies. Dès 1716, de jeunes plants,éléves des graines du jardin des Plantes, furentconfiés à M. Isambert, médecin, pour les transporter dans nos colonies; mais ce médecin étant mort pen de temps après son arrivée, cette première tentative n’eut pas le succès qui’on en attendait. En 1723, M. de Chirac, médecin, confia à M. de Clieux, gentilhomme Normand, capitaine d’infanterie et enseigne de vaisseau, un pied de Café pour être porté à la Martinique. La traversée fut longue et dangereuse; I’eau manquait sur le vaisseau et n’était plus distribuée que par petites rations. M. de Clieux, qui sentait toute I’importance de propager ce fruit dans nos colonies d’Amérique, et voulait conserver à son pays une nouvelle source de richesses, partagea avec le précieux arbrisseau qui lui avait été confié la ration d’eau qu’on lui donnait, et il eut le bonheur de le débarquer à la Martinique, faible, mais non pas dans un état désespéré. Alors ses soins redoublèrent; il le planta dans I’endroit de son jardin le plus favorable à son accroissement, I’entoura de haies d’épines et le fit garder à vue. Il eut la première année la satisfaction de récolter deux livres de graines. Il en donna à M. de la Guarigue Survillier, colonel des milices à la Martinique, et à divers habitans de I’ile qui les plantèrent. M. Blondel Jouvencourt, intendant des iies du Vent, constata par un acte en bonne forme, en date du 22 février 1722, qu’il existait dans le jardin de M. Survillier, au quartier de Sainte-Marie, plusieurs pieds de Café, et entre autres, neuf arbres hors de terre depuis vingt mois; le même acte constatait I’existence à la Martinique de deux cents arbres portant fleurs et fruits, de plus de deux mille moins avancés, et de quantité d’autres dont les graines étaient seulement hors de terre.« [14-37] [14-38] [14-39] [14-40]

G.-E. Coubard d’Aulnay: Monographie du café. 1832, Seite 43.
G.-E. Coubard d’Aulnay: Monographie du café. 1832, Seite 43. [14-43]

»De la Martinique, on porta des plants à Saint-Domingue, à la Guadeloupe, et autres iles adjacentes. Quelques auteurs prétendent cependant que le Café avait été porté dès 1715 à Saint-Domingue.« [14-43]

Johann Beckmann: Physikalisch-ökonomische Bibliothek. Siebenter Band. 1776, Seite 94.
Johann Beckmann: Physikalisch-ökonomische Bibliothek. Siebenter Band. 1776, Seite 94. [15-94]

Diese Angaben werden auch von einer früheren Publikation bestätigt, [13-65] [13-66] und insbesondere durch Johann Beckmann, der im Jahr 1770 schrieb: »Der erste Kaffeebaum, der nach den Antillen kam, und der im Pariser Garten erwachsen war, ward 1716 durch einen Jungen Arzt, namens Isemberg, überbracht. Weil aber dieser gleich nach seiner Ankunft starb, so gerieth alles wieder in Stecken. Nachher brachte Herr de Clieux, im Jahre 1720, von neuem einen Baum daher. Dieser hat dem V. noch selbst in einem hier abgedruckten Briefe, vom 22 Febr. 1774, diese Erzählung bestätigt.« [15-94]

Der im Bericht genannte Arzt Isambart, er mag auch Botaniker gewesen sein, wird auch d’Isemberg genannt, war mit seinen Versuchen nicht erfolgreich, da er wenige Tage nach seiner Ankunft auf Martinique am Gelbfieber starb. [16]

Darüber hinaus läßt sich noch sagen, daß der von Ludwig XIV von den in seinen Orangerien gezogenen Kaffeepflanzen geerntete Kaffee von ihm höchstselbst zubereitet und nur mit seinen engsten Freunden geteilt wurde. [11-10] Dem widerspricht die Aussage, Ludwig XIV habe keinen Kaffee gemocht. [20-58]

Auch sein Nachfolger, Ludwig XV. war ein großer Kaffeeliebhaber. Auch er ließ in Versailles, in Trianon, Kaffee anbauen, und jährlich konnten ein paar Pfund Kaffee geerntet werden. Der König röstete die Bohnen selber und bereitete sich daraus Kaffee zu. [3] [4] [5] Auch liebte er es, seinen Gästen Kaffee zu servieren, [5] und bei Hofe war man ganz verrückt danach. [20-58]

Nachdem wir uns nun näher mit der Ankunft des Kaffees in Paris und Europa beschäftigt haben, wenden wir uns im nächsten Teil dieser Serie den Kaffeehäusern und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu.

Quellen
  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee#Europa Kaffee.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9 Café.
  3. https://fr.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9#Introduction_en_Europe_et_en_Am%C3%A9rique_(XVIIe_si%C3%A8cle) Café.
  4. https://fr.wikipedia.org/wiki/Trianon Trianon.
  5. https://thegoodlifefrance.com/the-history-of-coffee-in-france/ Sue Aran: The history of coffee in France.
  6. https://archive.org/details/AllAboutCoffee/page/91/mode/2up?q=frenchAb William H. Ukers: All about coffee. New York, 1922.
  7. https://books.google.de/books?id=nsPTDwAAQBAJ&pg=PA364&lpg=PA364&dq=%22die+ersten+kaffeeh%C3%A4user+in+frankreich%22&source=bl&ots=Gyc82xfa6s&sig=ACfU3U3rItWvMuKSdzcBHHmzY67kGKQCeA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjRgr6h8qv1AhUthP0HHZEHB98Q6AF6BAgCEAM#v=onepage&q=%22die%20ersten%20kaffeeh%C3%A4user%20in%20frankreich%22&f=false Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit. Kulturgeschichte Ägyptens. ISBN 978-3-86150-893-9. Zweitausendeins, Frankfurt am Main, 2009.
  8. https://www.swr.de/swr2/programm/download-swr-15678.pdf SWR2 Wissen. Kaffee – Vom „Türkentrunk“ zum Trendgetränk. Von Dimitrios Kisoudis. Sendung: Donnerstag, 29. September 2016, 08.30 Uhr. Produktion: SWR 2016.
  9. Hanna Diyāb: Von Aleppo nach Paris. Die Reise eines jungen Syrers an den Hof Ludwigs XIV. Die Andere Bibliothek, Band 378. ISBN 978-3-8477-0378-5. Berlin, 2016.
  10. https://books.openedition.org/iremam/1199?lang=de#bodyftn9 H. Desmet-Gregoire: Une approche ethno-historique du café: évolution des ustensiles servant à la fabrication et à la consommation du café. In: Le café en Méditerranée. Histoire, anthropologie, économie. XVIIIe-XXe siècle. Seite 93-114.
  11. https://archive.org/details/cafekaffeekultin0000unse/page/10/mode/2up?q=kaffee+lik%C3%B6r+salon Anonymus: Café-, Kaffee-Kult in Berlin. Ein Kennerguide von Davidoff-Café. Berlin, 2001.
  12. https://en.wikipedia.org/wiki/Suleiman_Aga Suleiman Aga.
  13. https://archive.org/details/nouveaudictionna41803/page/64/mode/2up?q=%22etienne+d%27Alep%22 Anonymus: Nouveau dictionnaire d’histoire naturelle appliquée aux arts, principalement à l’agriculture et à l’économie rurale et domestique. Band IV. Paris, 1803.
  14. https://archive.org/details/b21525420/page/28/mode/2up?q=%22%C3%89tienne+d%27alep%22 G.-E. Coubard d’Aulnay: Monographie du café, ou manuel de l’amateur de café, ouvrage contenant la description et la culture du cafier, l’histoire du café, ses caractères commerciaux, sa préparation et ses propriétés; orné d’une belle lithographie. Paris, 1832.
  15. https://archive.org/details/physikalischkon08beckgoog/page/n46/mode/2up?q=Cahovet Johann Beckmann: Physikalisch-ökonomische Bibliothek worinn von den neuesten Büchern, welche die Naturgeschichte, Naturlehre, und die Land- und Stadtwirthschaft betreffen, zuverlässige und vollständige Nachrichten ertheilet werden. Siebenter Band. Göttingen, 1776.
  16. https://fr.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9 Café.
  17. https://archive.org/details/annalesdhyginep10unkngoog/page/n14/mode/2up?q=%22%C3%89tienne+d%27alep%22 Annales d’hygiène publique et de médecine légale. Deuxième série. Tome XVIL. Paris, Janiver 1862.
  18. https://archive.org/details/fooddrinkinhisto00balt/page/86/mode/2up?q=%22%C3%89tienne+d%27alep%22 Jean Leclant: Caffee and Cafés in Paris, 1644-1693. In: Food and Drink in History. Selections from the Annales Economies, Sociétés, Civilisations. Volume 5. Edited by Robert Foster and Orest Ranum. Seite 86-97. Baltimore & London, 1979.
  19. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k87051147/f49.image.r=paris Sylvestre Dufur, Bartolome Marradón, Antonio Colmenero de Ledesma, Jacob Spon: De l’usage du caphé, du thé et du chocolate. Lyon, 1671.
  20. https://archive.org/details/coffeefromplant03thurgoog/page/n90/mode/2up?q=%22Etienne+d%27Alep%22 Francis B. Thurber: Coffee: from plantation to cup. A brief history of coffee production and consumption. Ninth edition. New York, 1884.
  21. Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen. ISBN 978-3-8477-0012-8. Die Andere Bibliothek, Berlin, 2013.
  22. https://archive.org/details/briefeeinesreis00collgoog/page/n4/mode/2up Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris. Zweyter Band. 1784.
  23. https://archive.org/details/geschichtederma01gallgoog/page/472/mode/2up?q=kaffeeriecher Gottfried Traugott Gallus: Geschichte der Mark Brandenburg für Freunde historischer Kunde. Sechster Band. Züllichau und Freystadt, 1805.
  24. https://archive.org/details/bub_gb_oJswAAAAYAAJ/page/29/mode/2up?q=kaffeeriecher J. D. E. Preuß: Friedrich der Große. Eine Lebensgeschichte. Dritter Band. Berlin, 1833.
  25. https://archive.org/details/jahresberichtder70schl/page/n315/mode/2up?q=kaffeeriecher Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur. 70. Jahresbericht 1892. III. Historisch-staatswissenschaftliche Abtheilung.
  26. https://emajartjournal.files.wordpress.com/2017/12/van-dyk_the-embassy-of-soliman-aga-to-louis-xiv.pdf Gartitt von Dyk: The Embassy of Soliman Aga to Louis XIV: Diplomacy, Dress, and Diamonds.

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