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Wir berichten hier von unserer Bar-Tour in Berlin. Auf dem Programm standen Becketts Kopf, Green Door, Rum Trader und Limonadier. Eine Reise, die sich gelohnt hat.

Sonntag, 18.06.2017: Gerade noch rechtzeitig sind wir wieder halbwegs auf dem gesundheitlichen Damm. Ich habe noch ein wenig Schnupfen und Husten, Armin leidet nur noch unter letzterem. Nichtsdestotrotz lassen wir die Bartour nach Berlin nicht ausfallen.

Becketts Kopf

Becketts Kopf.

Becketts Kopf. [1]

Da heute Sonntag ist, ist die Auswahl an geöffneten guten Bars ziemlich begrenzt. Wir streben ins „Becketts Kopf“, einer Bar, in der wir vor ein paar Jahren bereits einmal weilten und die uns damals sehr gut gefallen hat. Sie nennt sich selbst eine „Bar zur Verfeinerung der Sinne“. Uns als Bildungstrinker gefällt dieser An- und Ausspruch. Die Bar ist sehr überschaubar und wegen der geschickt und dezent eingesetzten Lichtquellen, der dunklen Wandfarbe und der Ledersitzgarnituren gemütlich.

Wir setzen uns an den Tresen, an dem bequem sieben bis acht Personen sitzen können und von wo aus man am besten mit dem Bartender ins Gespräch kommen kann. Zu der momentan herrschenden Uhrzeit – es ist ja noch vor 19 Uhr – sind wir die einzigen Tresenfrequentierer. So können wir uns gut mit dem Bartender Mark Jennings unterhalten.

Becketts Kopf.

Becketts Kopf. [1]

Die Getränkekarte ist ungewöhnlich gestaltet, denn die Auflistung der Drinks findet sich passenderweise in einem Buch von Samuel Beckett. Wir unterhalten uns mit Mark über alles zum Thema Cocktails. Großzügig finden wir von Mark, daß er – da wir ja nach wie vor erkältet sind und nicht wissen, ob wir denselben Virus abbekommen haben – uns die Drinks in zwei Gläsern aufgeteilt serviert. Da die Drinks in historischen Gläsern serviert werden, die nur von Hand gespült werden können, ist das mehr als lobenswert.

Becketts Kopf.

Becketts Kopf. [1]

Wir beginnen mit dem köstlichen Lusithanian, der auf der Karte beschrieben wird als „Alchemistisches Manifest der Liebe zu Portugal. Aguardente Velha, Kirsche und Port mit Zimthauch singen den Fado.“ Insbesondere dieser Drink hat es uns an diesem Abend angetan. Der Lusithanian ist der einzige Drink, der auf der saisonal wechselnden Karte immer vertreten ist, seit 2005. Es ist der erste selbstentwickelte Drink der Bar. Doch auch die übrigen waren ohne Fehl und Tadel. Nicht umsonst wurde der Eigentümer der Bar, Oliver Ebert, 2013 mit dem Mixology Bar Award als „Mixologe des Jahres“ ausgezeichnet.

Becketts Kopf ist seit Anbeginn eine klassisch orientierte Bar, und so verwendete man bereits vor über zehn Jahren fast ausschließlich historische Rezepte. Damals war dies etwas besonderes in Deutschland, denn es war beispielsweise nicht leicht, die dafür notwendigen Zutaten wie beispielsweise Peychaud’s Bitters oder Rye Whiskey zu erhalten. Daran können wir sehen, wie sehr sich die Barwelt in kurzer Zeit verändert hat, denn heute ist quasi alles erhältlich.

Besonders gefallen hat uns auch, daß die Bar, beziehungsweise Oliver Ebert, Mitglied des Freimeisterkollektivs ist. „Das Freimeisterkollektiv ist ein Zusammenschluss von Individualisten – eine Verbindung von unabhängigen Kleinbrennern und führenden Bartendern. Unsere Kunden sollen wissen, was sie trinken. Und von wem. Die Herstellung unserer Produkte unterliegt völliger Transparenz. … Das Freimeisterkollektiv setzt auf die Tradition der Brennkunst in kleinen, handwerklich arbeitenden Betrieben und auf die Erfahrung von Barkeepern und anderen Experten.“  – So steht es beim Freimeisterkollektiv  geschrieben. Ein Ansatz, den wir nur unterstützen können. Folgerichtig gibt es die Freimeisterprodukte auch in der Bar, und wir hatten beispielsweise die Möglichkeit, einen Enzianschnaps aus dem Hause Farthofer, ebenfalls Freimeistermitglied, zu verkosten. Ein Produkt, das uns sehr angesprochen hat.

Nach vier Drinks werden wir leider bettschwer und brechen auf, im Hinterkopf aber aufgrund der Hitze noch ein Absackerbier in der Bierbar in der Nähe unseres Hotels habend. Leider entpuppt sich diese Bierbar als heute geschlossenes Etablissement, so daß wir dann ohne Umschweife ins Hotel gehen und um 23:30 Uhr das Licht ausknipsen.

Green Door

Montag, 19.06.2017: Zwecks Grundlagenschaffung für den anstehenden Barabend finden wir uns bei „Berkis“, dem griechischen Restaurant in der Winterfeldtstraße 45, ein. Hier waren wir in den vergangenen Jahren schon mehrfach und es hat uns immer sehr gut geschmeckt. Das Restaurant ist sehr gut besucht und das an einem Montag. Wir futtern jeder einen Gyrosteller, der wie immer köstlich schmeckt. Praktischerweise liegt unser erstes Trinkdomizil nur ein paar Häuser weiter, nämlich in der Winterfeldtstraße 50. Es handelt sich um die Bar „Green Door“.

Wegen der Hitze steht die grünfarbige Eingangstür offen, so daß wir ungehindert die Räumlichkeit betreten können. Wir sind zu dieser frühen Tageszeit, es ist ja erst so gegen 19 Uhr, die einzigen Gäste und so haben wir freie Platzwahl. Die Bar besticht durch ihren langen Holztresen, das ansehnliche Backboard, die Lichtgestaltung und die Gemütlichkeit ausstrahlende Wohnzimmeratmosphäre. Beim Bartender namens Felix Rakete stellen wir uns kurz vor, nennen unsere Cocktail-Vorlieben und unseren sozio-kulturellen Hintergrund was die Barwelt anbelangt. Ich ordere mir einen interessant klingenden Drink aus der Karte, genannt Zarco’s Historia. Eine Mischung aus Madeira, Gin, Cherry Brandy, Orinoco Bitters und einem Hauch Ardbeg. Eine ausgezeichnete Wahl. Armin hingegen gibt sich von sofort an dem betreuten Trinken hin.

Green Door.

Green Door. [2]

Wir bewundern das Interieur, wobei uns besonders die Ecke mit der karierten Wand, den kleinen Fotos und dem Bücherregal auffällt. Herzallerliebst finden wir das rote Telefon, das uns an Sechziger-Jahre-Filme erinnert, in denen es Bars gab, in denen man mit solchen Telefonen von Tisch zu Tisch telefonieren konnte, um Kontakte mit anderen Gästen zu knüpfen.

Nach ein, zwei Drinks setzt sich eine Dame an den Tresen, die offensichtlich hier eine bekannte Persönlichkeit ist. Wir kommen mit ihr ins Gespräch und wie sich herausstellt, handelt es sich um Frau Kuhn, die Inhaberin des „Green Door“. Sie erzählt uns, daß sie die Bar vor ca. zwei Jahren nach dem Tod ihres Mannes von ihm übernommen habe. Ihr Ehemann, Fritz Müller-Scherz, Jazz-Fan, Autor, Schauspieler und Trompeten-Spieler hatte die Bar ursprünglich eröffnet. Sie ist ein Klassiker der Berliner Bargeschichte. In den 1990er Jahren war sie eine der wenigen Orte mit einer anspruchsvolle Barkultur. Das „Green Door“ erhielt seinen Namens nach einem Lied von der Jazzlegende Eddie Condon, der über eine New-Yorker Bar namens „Green Door“ ein Lied geschrieben hatte. Bei Geburtstagsfeiern der Bar hingegen lief stets im Hintergrund „Behind the Green Door“, ein Porno-Film aus dem Jahre 1972, und setzte so einen ironischen Akzent, Nicht-Eingeweihte sicherlich dabei verwirrend.

Green Door.

Green Door. [2]

Die Wandbemalung wirkt surreal und psychedelisch. Die gegenüberliegende Wand ist geschwungen und gibt dem Raum auf geniale Weise ein ungewöhnliches Erscheinungsbild.

Durch das angenehme Gespräch mit Frau Kuhn nehmen wir mehr Drinks als geplant, was wir aber sehr genießen. Hervorzuheben ist, daß man im „Green Door“ beständig ein Glas mit Wasser zur Verfügung gestellt bekommt, so wie es in jeder guten Bar Standard sein sollte. Wir sind begeistert und uns wird klar, warum diese Bar schon so viele Preise verliehen bekommen hat und sogar im Ausland positiv in Zeitungsartikeln erwähnt wurde.

Rum Trader

Rum Trader: Gregor Scholl. © Anastasia Khoroshilova - www.khoroshilova.net.

Rum Trader: Gregor Scholl. © Anastasia Khoroshilova – www.khoroshilova.net.

So gegen 23 Uhr verlassen wir das „Green Door“ und lassen uns ein Taxi bestellen. Nach intensiver Verabschiedung von Frau Kuhn und Felix Rakete fahren wir mit dem Taxi in die Fasanenstraße 40 zum „Rum Trader“. Die Bar ist bekannt für ihren  Inhaber, Gregor Scholl, der stets gekleidet im Stil der zwanziger Jahre mit Anzug, Weste, Fliege und Taschenuhr auftritt und sich bei seinen anspruchsvollen Gesprächen einer ebenso antiquierten Wortwahl bedient. So benutzt er zum Beispiel statt des Worts „Taxi“ das Wort „Droschke“. Als ebensolche Liebhaber des Wortes und der Sprache gefällt uns seine Ausdrucksweise sehr. Dies und die Atmosphäre der Bar macht den Besuch zu etwas ganz besonderem.

Die Bar ist höchstens nur ca. 15 bis 20 Quadratmeter groß und bietet somit nur wenigen Gästen Platz. Das Interieur, das im Stil der 1960er Jahre gehalten ist, wurde seit der Eröffnung im Jahr 1976  nicht mehr verändert. Der Gründer der Bar, Hans Schröder, blickt noch heute von einer Fotografie zwischen den Flaschen auf die Gäste. Es ist schön, daß man ihn auf diese Weise in Ehren hält.

Rum Trader: Hans Schröder. © Anastasia Khoroshilova - www.khoroshilova.net.

Rum Trader: Hans Schröder. © Anastasia Khoroshilova – www.khoroshilova.net.

Bekannt ist der „Rum Trader“ für seine Rum-Cocktails. Wir haben Glück, daß wir am Tresen noch zwei Plätze ergattern, schauen kurz in die Karte und bestellen uns dann zwei Drinks beim Bartender. Wir hoffen, daß Herr Scholl noch erscheinen wird.

Dieses passiert dann auch tatsächlich, denn – wie er uns erzählt – er wurde über unser Kommen informiert. Tja, das muß ja dann wohl Frau Kuhn telefonisch durchgeführt haben, schau an. Wir parlieren ein wenig und lassen uns dann noch eine zweite Runde an Cocktails empfehlen. Mit den anderen Gästen am Tresen kommen wir aufgrund der beengten Räumlichkeit auch noch ins konstruktive Gespräch.

Rum Trader: Das Gürteltier. © Anastasia Khoroshilova - www.khoroshilova.net.

Rum Trader: Das Gürteltier. © Anastasia Khoroshilova – www.khoroshilova.net.

Daß geraucht werden darf, stört uns auch nicht weiter, das weiß man ja vorher, denn das steht im Bar Guide. Ratzfatz gehen die Stunden ins Land und so gegen halb zwei Uhr nachts lassen wir uns eine Droschke ordern, so daß wir um 2 Uhr im Bett liegen.

Limonadier

Dienstag, 20.06.2017: Wir begrundlagen unsere Mägen heute Abend im „tak tak polish deli“. Köstliches Bigos wird gereicht und wird uns frohgemut durch den Abend geleiten. Auch die Piroggen, die wir hier im Laufe unserer Tour Mittags gegessen hatten, waren vorzüglich. Unser einziges Ziel heute ist – auf Empfehlung von Mario Kappes – die Bar „Limonadier“ in der Nostitzstraße 12. Der frühe Erscheinungstermin bedeutet freie Sitzplatzauswahl am Bartresen, was wir gerne in Anspruch nehmen. Als wir uns darniederpflanzen, sagt sogleich der eine der beiden Bartender, daß er Armin kenne. Er erklärt, daß er Fan vom „Bar-Vademecum“ sei und ihn vom dortig eingestellten Foto her kenne. Nun denn, die Basis eines trinkfreudigen Abends ist gelegt. Wir müssen also nicht mehr viel herumerklären. Der andere Bartender – der heute die Drinks mixt – ist Joschi Moretti und hat heute seinen ersten Abend als mixender Bartender im „Limonadier“. Er freut sich riesig, an seinem ersten Abend für Bildungstrinker arbeiten zu dürfen. Wir geben ihm freie Hand für betreutes Trinken. Die Drinks schmecken sehr gut, es wird – wie es sich geziemt – stets für jeden Gast ein Glas mit Wasser befüllt und wir parlieren ausgiebigst. Die Einrichtung erinnert an eine klassische Cocktailbar im Stil der 1920er Jahre. Limonaden und Liköre sind hausgemacht.

Limonadier.

Limonadier. [3]

Joshi führt uns gelungen durch den Abend. Es war interessant, zu erfahren, wie klein die Welt ist. Wir berichten über dies und das, über unsere Barbesuche in anderen Städten, und was uns dort gefallen hat. Es stellte sich schnell heraus, daß Joshi mit zwei unserer Lieblingsbartender, nämlich Paul Thompson aus dem kölner Ona Mor und Florian Drucks-Jacobsen aus der tübinger Liquid Bar beim „Master of American Whiskey“-Wettbewerb teilgenommen hat, jedoch nicht mit ihnen in die USA reisen konnte, da er „nur“ den sechsten Platz belegt hatte.

Alle Drinks sind ohne Fehl und Tadel, und wir haben sie sehr genossen. Die Entdeckung des Abends war für uns ein Rob Roy, den Joshi für uns zubereitete. Als wir erwähnten, daß Mario Kappes uns das Limonadier empfohlen hatte, und daß wir die Whiskys von Nikka sehr interessant fänden, wir jedoch bisher nur mit dem „Nikka from the Barrel“ Bekanntschaft geschlossen hatten, wir also deshalb gerne einen Drink mit einem anderen Nikka-Whisky trinken würden, erinnerte sich Joshi an einen nur kurze Zeit zurückliegenden Besuch von Mario Kappes. Er hatte bei diesem die Nikka-Whiskies vorgestellt und dabei erwähnt, daß sich der Nikka Coffey Malt hervorragend für einen Rob Roy Cocktail eigne. Gesagt, getan, Joshi bereitete uns also spontan einen Rob Roy damit zu, der uns begeisterte. Wir hatten schon öfter einen Rob Roy verkostet, aber noch nie so richtig einen Zugang dazu gefunden.

Später gesellt sich noch der Inhaber Erich dos Santos an den Bartresen, dem wir gerne von der erstklassigen Arbeit seines neuen Bartenders berichten. So um 00:30 Uhr lassen wir uns ein Taxi ordern, welches uns schnell ins Hotel verfrachtet.

Fazit

Alle Bars waren verschieden, und sie haben uns alle gefallen. Alle würden wir erneut besuchen, schade nur, daß wir so selten in Berlin sind.

Ein kleiner Nachtrag sei an dieser Stelle noch eingefügt. Anlässlich des diesjährigen Bar Convents waren wir in Berlin, und es hat uns am Vorabend nochmals in Becketts Kopf verschlagen. Auch dieses Mal hatten wir vorzügliche Drinks, darunter einen Ampersand aus dem 1935 erschienenen „Old Waldorf-Astoria Bar Book“, einen gelungenen Bijou-Twist, einen Twist auf einen Fancy Whiskey Cocktail mit Rosmaringeist  oder aus dem aktuellen Menü der „Forest“ mit Haselnuß und Zirbe, der beschrieben wird mit: „Auf Moos rauchen Regentropfen aus Whiskey, goldene Blätter fallen auf den feuchten Waldboden und Tannenzapfen, die nach Rosmarin duften.“

Quellen
  1. Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Becketts Kopf zur Verfügung gestellt.
  2. Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Green Door zur Verfügung gestellt.
  3. Das Foto wurde uns freundlicherweise vom Limonadier zur Verfügung gestellt.

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