Rutte - Außenansicht. Beitragsbild.

Rutte

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Anfang des Jahres waren wir bei der Destillerie Rutte zu Besuch. Viele Produkte kannten wir schon vorher, und wollten nun auch sehen und verstehen, wo und wie diese Köstlichkeiten hergestellt werden. So führte uns unser Ausflug in das reizvolle und historisch bedeutende  Dordrecht unweit Rotterdam.

Die Geschichte der Destillerie

Die Familie Rutte (gesprochen: Rütte) stammt aus dem Süden Hollands. Von dort zog sie im 18. Jahrhundert nach Rotterdam. Über die ersten beiden Generationen ist nicht viel bekannt, außer daß Sijmon Rutte, geboren 1749, und sein Sohn Simon, der 1779 zur Welt kam, bereits als Destillateure tätig waren. [1]

Simons Sohn Antonius erblickte 1802 in Rotterdam das Licht der Welt und zog um 1830 nach Dordrecht, um dort in einer der drei Destillerien des Ortes zu arbeiten. Mit seiner Frau Johanna Vogel hatte er vier Kinder. [2]

Simon Antonius Rutte.

Simon Antonius Rutte. [28]

Ihr Sohn Simon Antonius, geboren 1844, erwarb gemeinsam mit seiner Frau Maria Cornelia Vermeulen 1872 in Dordrechts Vriesestraat ein Café. Im hinteren Bereich des Gebäudes errichtete Simon eine Destillerie zur Herstellung von Jenever und Likören. Dies ist nicht ungewöhnlich, denn die Herstellung von Jenever und Likören hat eine lange Tradition in Holland, da die vielen hierfür benötigten Früchte, Gewürze und Kräuter aus aller Welt nach Holland und auch in den Hafen von Dordrecht gelangten. Letzterer war früher wichtiger als der Hafen von Rotterdam, und den Reichtum vergangener Zeiten sieht man der Altstadt heute noch an. Diese Destillerie wurde bei der einheimischen Bevölkerung schnell beliebt. So wurde das Café schließlich in ein Spirituosengeschäft umgewandelt, und Simons Frau verkaufte dort nicht nur die hergestellten Produkte, sondern auch Weine, die in Dordrecht angelandet wurden. Zwischen 1903 und 1905 wurde das Interieur des Verkaufsraumes so gestaltet, wie wir es heute noch erleben dürfen. [3] [15] [19] [20] [24] [25]

Außenansicht.

Außenansicht.

Das Gebäude von Rutte ist auch heute noch eine „all-in-one-solution”: Auf kleinstem Raum befinden sich beispielsweise der Laden, die Destillerie, ein Laboratorium, ein Lagerraum und ein Raum für Verkostungen. Der Verkaufsraum ist um die zwölf Quadratmeter groß. Nach und nach wurden weitere angrenzende Häuser hinzugekauft und miteinander verbunden. So gibt es heute einen Raum hier und dort, der erste Stock liegt auf verschiedenen Ebenen. Alles ist sehr charmant und einzigartig. [19] Bei dieser Größe wundert es kaum, daß hier die Zeit stillzustehen scheint, zumal selten etwas verändert wurde. So ist das Gebäude voll mit Erinnerungen und Geschichten aus der Vergangenheit, und man glaubt gern, daß Rutte die kleinste Destillerie der Niederlande ist. [21] [22] [25]

Verkaufsraum.

Verkaufsraum. [28]

Antonius Johannes Rutte.

Antonius Johannes Rutte. [28]

Von den fünf Kindern wurde der 1872 geborene Antonius Johannes am 30. März 1905 als Partner in die Firma „S.A. Rutte & Zn.” aufgenommen. Er vermählte sich 1897 mit Margaretha Jacoba van den Beemt. Kurz darauf kam ihr Sohn Johannes, auch Jan genannt, zur Welt. Anton starb im Alter von 47 Jahren, und so führte seine Witwe die Firma mit der Unterstützung der Familie weiter. Johannes erlernte die Kunst des Destillierens bei seinem Großvater Simon. [4]

 

Johannes „Jan” Rutte.

Johannes „Jan” Rutte. [28]

Johannes wurde 1921 Partner der Firma, gemeinsam mit seiner Mutter. Er verheiratete sich mit Cornelia Petronella Adriana Ulst im Februar 1922 und führte das Unternehmen durch den Zweiten Weltkrieg, eine Zeit, in der es außerordentlich schwierig war, die Rohmaterialien für die Destillerie zu beschaffen. Die Geschäfte gingen in dieser Zeit schlecht, und Jan mußte sogar seinen eigenen Bruder entlassen, da kein Geld für dessen Lohn zu erwirtschaften war. Seine Kinder unterstützten den Betrieb, die Söhne in der Produktion und die Mädchen im Verkaufsraum. [5]

John „Jan” Rutte.

John „Jan” Rutte. [28]

Sein Sohn John (der aber von allen Jan genannt wurde), war schon in jungen Jahren in die Destillerie eingebunden und übernahm diese von seinem Vater, obwohl er eigentlich Künstler werden wollte. Nach Kriegsende erlernte er während zweier Jahre in Frankreich alles über Wein und schloß 1960 die Ausbildung als Destillateur am „Institut der Spirituosenfabrikation“ in Köln ab. Durch seine Begabung, seine Kreativität, seinen hervorragenden Geschmackssinn und sein Streben nach Perfektion erschuf er viele herausragende Produkte in höchster Qualität. John lehnte moderne Methoden wie beispielsweise die Verwendung von Billigalkohol und künstlichen Aromastoffen ab und sorgte dafür, daß die alten Familienrezepturen nicht verloren gingen. Unter seiner Führung wurde Rutte eine der angesehensten Destillerien der Niederlande. John verstarb 2003. [6]

Seine sechs Kinder waren ebenfalls sehr kreativ und künstlerisch veranlagt, und so entschieden sie sich, die Destillerie nicht zu übernehmen. Deshalb wurde sie bereits 1991 von einer Gruppe von Gesellschaftern übernommen, die jedoch für die Produkte dieselbe Leidenschaft aufbrachten wie John und die vorherigen Generationen der Familie Rutte. Dies war John außerordentlich wichtig. Die Tradition der Firma sollte gewahrt bleiben. Glücklicherweise ist es bis heute so geblieben. [7] [19]

Bis 1995 wurden alle Produkte von Hand auf Flaschen gefüllt und etikettiert. Als aber die Nachfrage wuchs und in dem alten historischen Gebäude nicht mehr genügend Platz vorhanden war, wurde dieser Produktionsschritt für die beliebtesten Jenever ausgegliedert. Die Liköre und auch exklusivere Produkte werden jedoch noch immer in der Destillerie in Flaschen abgefüllt und etikettiert. [8]

Verkostungsraum.

Verkostungsraum. [28]

1998 wurde das ehemalige Wohnzimmer der Familie Rutte im ersten Stock des Gebäudes in einen Verkostungsraum umgewandelt, in dem nun Gäste empfangen werden können. [9] [20]

Nach John Rutte ist Myriam Hendrickx die achte Master-Destillerin im Hause Rutte und leitet die Destillerie. [17] [18] [19] [21]

Myriam Hendrickx.

Myriam Hendrickx. [28]

Sie begann ihre Arbeit bei Rutte im Jahr 2003. Zuvor hatte sie Lebensmitteltechnologie studiert mit einer Spezialisierung auf Molkerei und Milcherzeugnisse. Durch Beratungstätigkeiten kam sie mit der Spirituosenindustrie in Kontakt, in der es im Gegensatz zur Milchwirtschaft immer noch Geheimnisse gibt, in der man nicht über seine Rezepte spricht. Jeder Master-Distiller verwendet seine eigenen Methoden und Zutaten. Insbesondere die Betriebe mit hohem Qualitätsanspruch, in denen es sehr auf althergebrachtes Handwerk und natürliche Produkte mit all ihren Möglichkeiten und Spielarten ankommt, weckten ihre Leidenschaft. Aus ihrer Beratertätigkeit heraus war sie bereits ein Spezialist für Jenever geworden, da sie Destillerien Wissen bezüglich Qualitätskontrolle, Hygiene und Technologie vermittelte. Die Art und Weise, wie sie dies machte, nämlich sehr klar und verständlich, fand Beifall, und so wurde sie schließlich von Rutte gefragt, ob sie dort arbeiten wolle. In diesem Betrieb, in dem quasi alles noch so wie vor 150 Jahren gemacht wird, wurde jemand benötigt, der sich mit Jenever auskannte. [19] [21]

Verkostungsraum.

Verkostungsraum. [28]

Sie begann damit, den Verkostungsraum zu betreuen. Obwohl die Destillerie bereits verkauft war, war John Rutte noch im Betrieb anwesend. Er wollte ihn nicht verlassen und dort bis zu seinem Tod tätig sein. So lernte Myriam Hendrickx noch John Rutte kennen. Zwar gab es auch einen Destillateur aus einer anderen Firma, aber er machte seine Arbeit ohne Leidenschaft, ohne mit dem Herzen dabei zu sein. Von beiden lernte sie und nahm deren Kenntnisse in sich auf. Kurze Zeit, nachdem sie bei Rutte angefangen hatte, starb John und sie wurde Master-Distiller und Leiterin von Rutte. Ihr Tag als Master-Distiller sieht dabei niemals gleich aus. Sie liest viel und hält Ausschau nach neuer Inspiration, neuen Kräutern, Gewürzen und Früchten, probiert sie aus, beschäftigt sich mit den faßgelagerten Produkten, probiert dies und das und stellt darüber hinaus die Produkte der Firma her. [19] [21]

Seit 2011 gehört Rutte zu De Kuyper. [17] [20]

Die Rezepte

Handgeschriebenes Rezept.

Handgeschriebenes Rezept. [28]

Die alten Rezeptbücher wurden 2003 von Myriam Hendrickx digitalisiert, um diesen Schatz auch für die Zukunft zu erhalten und eine zusätzliche Sicherheit zu schaffen, für den Fall, daß es beispielsweise einmal brennen sollte. [19] Die Rezepte wurden von Generation zu Generation weitergegeben und man blieb bis heute den alten Rezepten und Produktionsweisen treu. So verzichtete man im 20. Jahrhundert darauf, durch billigere Zutaten und effektivere Produktionsmethoden Kosten zu sparen, so wie es viele andere Firmen machten. Da die Familie finanziell unabhängig war, blieben sie ihren Prinzipien treu und produzierten auf ihre Art und Weise, so wie sie es für richtig befanden. Dies ging sogar so weit, daß sie ihre Produkte nicht verschickten, weil sie keine Kisten für den Versand hatten oder wollten. Wer ein Produkt wollte, mußte es sich selbst abholen. Sie waren mehr an ihren Produkten als an deren Verkauf interessiert. [11] [20] [24] [25]

Zutaten.

Zutaten. [28]

Auch heute wird an den traditionellen Herstellungsweisen festgehalten. Das bedeutet jedoch nicht, daß keine neuen Jenever und Liköre entwickelt werden; jedoch hält man auch bei diesen Neuentwicklungen an den alten Prinzipien fest. So werden keine künstlichen Aroma- oder Farbstoffe verwendet und der Geschmack wird ausschließlich aus Früchten, Kräutern und Gewürzen extrahiert. Bei den verwendeten Rohstoffen werden keine Abstriche gemacht. Es kommen nur die besten erhältlichen Rohstoffe zum Einsatz, wie beispielsweise Zimt aus Sri Lanka, Wacholderbeeren aus Italien, frische Früchte anstelle tiefgefrorener, Orangen und Zitronen werden von Hand geschält. [11] [20] [22] [25]

Rohstoffe. ©Sven Goldmann for RUTTE.

Rohstoffe. ©Sven Goldmann for RUTTE. [28]

Ersatzstoffe wie Wacholderöl oder Orangenextrakt werden nicht verwendet, sondern stets die reinen Früchte, Gewürze und Kräuter. Deren Aromastoffe werden durch Destillation und Extraktion eingefangen. [12] [18] [19]

Destillation und Extraktion

Bei der Destillation wird eine Mischung aus Getreidealkohol und Kräutern oder Früchten in die Brennblase gegeben und anschließend erhitzt. Dadurch verdampft der Alkohol zusammen mit den flüchtigen Aromen der hinzugegebenen Aromaträger. Die überwiegend aus ätherischen Ölen bestehenden Aromen kondensieren zusammen mit dem Dampf und bilden das Destillat. [12]

Bei der Extraktion werden Kräuter und/oder Früchte in einer Mischung aus Alkohol und Wasser für einen Tag oder auch für Monate eingeweicht, bis ein optimaler Geschmack der Tinktur erreicht wurde. Bei Rutte werden Farbe und Aromen mit diesem Verfahren beispielsweise für Brombeeren, Kirschen, Orangenschalen, Vanille und Koriander extrahiert. [12]

Für einen normalen Genuß sind die so erzeugten Destillate und Tinkturen zu stark, denn sie enthalten die natürlichen Aromen in hochkonzentrierter Form und werden daher als Zwischenprodukt weiterverwendet, sei es für Jenever oder Likör. [13] [14]

Zwischenprodukte

Verkostungsproben im „Laboratorium“. ©Sven Goldmann for RUTTE.

Verkostungsproben im „Laboratorium“. ©Sven Goldmann for RUTTE. [28]

Ruttes sehr komplexe Rezepte verlangen nach diesen guten Zwischenprodukten, die aus Destillation und Extraktion entstehen. Für manche Produkte werden dutzende verschiedene Kräuter und Früchte benötigt. Die Kunst Ruttes liegt darin, die richtigen Aromen so zu kombinieren, daß Frische, Körper und Charakter entstehen. Diese Kunst erfordert viel Erfahrung und Verständnis für die Produkte. Dabei greift man hierbei auch auf die reichhaltige Erfahrung von John Rutte zurück, der mit seiner umfassende Kenntnis zahlreiche erstaunliche Rezepte entwickelte. Sein altes Rezeptbuch wird noch immer zu Rate gezogen, wenn neue Produkte entwickelt werden. So entstehen neue Spirituosen auf dem Fundament der Erfahrung und des Wissens vergangener Generationen der Familie Rutte. [13] [19] [20]

Produktionsweisen

Die Liköre werden aus reinem Getreidealkohol hergestellt, die Jenever aus einer Mischung von Malz- und Getreidealkohol. Ersterer hat einen intensiv getreideartigen Geschmack, letzterer ist neutraler und darüber hinaus der sanfteste erhältliche Alkohol [11] und wird aus Belgien bezogen. [17]

Destilliert und produziert wird nur im Hause, auch wenn es dadurch Kapazitätsgrenzen gibt, denn so wird immer eine hervorragende Qualität gewährleistet. Quantität steht nicht im Vordergrund. [17]

Die Brennblasen

„Vulkaan 4“.

„Vulkaan 4“. [28]

Neben der Kunst des Destillierens ist aber auch Qualität und Ausformung der Brennblase von außerordentlicher Wichtigkeit. Man mag bei Rutte eine große Anzahl  großer Brennblasen erwarten, dies ist jedoch nicht der Fall, und die Füllmengen liegen zwischen 150 und 230 Litern. [14]

 

„Vulkaan 4“. ©Sven Goldmann for RUTTE.

„Vulkaan 4“. ©Sven Goldmann for RUTTE. [28]

Ruttes ursprüngliche Brennblase nennt sich „Der Vulkaan“. Warum weiß man nicht mehr, es wird jedoch vermutet, dies sei auf die Tatsache zurückzuführen, daß man nie genau wisse, was aus der Brennblase herauskommt. Sowohl John Rutte als auch der neue Eigentümer mochten die alte Destillieranlage sehr, denn sie trug wesentlich dazu bei, das Geschmacksprofil der Rutte-Produkte zu gestalten. Sie war jedoch schon recht abgenutzt und entsprach nicht mehr den Sicherheitsanforderungen unserer Zeit, so daß 2013 ein Ersatz angeschafft werden mußte. Der „Vulkan“ wird nur noch gelegentlich für kleine Chargen und Tests verwendet. [10] [14]

Der „Vulkaan 2“ ist leider verloren gegangen und man weiß nichts mehr über diese Brennblase. Vermutlich wurde er irgendwann weggeworfen. [14]

„Vulkaan 4“. ©Sven Goldmann for RUTTE.

„Vulkaan 4“. ©Sven Goldmann for RUTTE. [28]

Der „Vulkaan 3“ ist eine von John Rutte 1991 auf einem französischen Antikmarkt in der Auvergne erworbene Brennblase. Diese wurde vom Zoll zwar durch das Bohren von 21 Löchern in den Boden unbrauchbar gemacht, doch wurde sie bei Rutte über einen Zeitraum von über zwölf Monaten wieder hergestellt, einschließlich eines neuen Kopfstücks. Sie war über 20 Jahre in Gebrauch, mußte aber schließlich ausgemustert werden. [14] 

Die dritte Brennblase, „Vulkaan 4“, wurde 2013 erworben. Da in den Niederlanden die Kunst des Herstellens kupferner Brennblasen nicht mehr ausgeführt wird, wurde sie eigens für Rutte im Schwarzwald gefertigt. Sie wird mit Wasser erhitzt, wodurch eine feinere Temperatursteuerung möglich ist. So läßt sich der Destillationsprozeß besser kontrollieren. [10] [14] [17] 

Die Reifung

John „Jan” Rutte.

John „Jan” Rutte. [28]

Auch die Lagerung hat einen wichtigen Einfluß. Durch die Lagerung von Jenever und Korenwijn in Eichenfässern nehmen diese Holzaromen auf. Durch Oxidation und Wechselwirkungen mit dem Holz entstehen zusätzliche Aromen. Seit Anbeginn wird von Rutte eine Faßlagerung durchgeführt, was bei anderen Destillateuren nicht üblich war. Dies ist auch darauf zurückzuführen, daß Dordrecht in vergangenen Zeiten eine äußerst bedeutende Hafenstadt war und auch der Weinhandel eine wichtige Rolle spielte. Schiffe aus ganz Europa legten an. Rutte war ebenfalls im Weinhandel tätig, verkaufte den Wein in seinem Geschäft und verwendete ihn auch in seinen Produkten. Die leeren Fässer wurden anschließend mit Jenever befüllt. Sie waren von unterschiedlicher Größe und zuvor beispielsweise mit Bordeaux, Sherry oder Port gefüllt. Hinzu kamen auch alte Whiskeyfässer und neue Fässer aus amerikanischer Eiche. [15]

Faßlagerung.

Faßlagerung. [28]

Die Reifung der Produkte in Fässern ist eine weitere wichtige Fähigkeit, die bei Rutte beherrscht wird. Sie beinhaltet das Verwenden von Fässern verschiedenen Alters und das kontinuierliche Mischen und Probieren, bis letztendlich eine perfekte Komposition erschaffen wurde. [15] Heute ist Myriam Hendrickx für die Vermählung und Komposition der Produkte verantwortlich. [17]

Rutte und Jenever

Jenever-Behälter.

Jenever-Behälter. [28]

Rutte ist für seine Jenever berühmt. Sie sind außerordentlich sanft und reichhaltig. Einige davon werden teilweise über mehrere Jahre in Eichenfässern gereift. Karamell zur Färbung wird nicht hinzugegeben. Alle hergestellten Jenever sind getreidig im Geschmack, erfrischend, fruchtig und körperreich. Die alten Rezepte werden noch heute verwendet. [16] Auch Myriam Hendrickx begeistert sich für Jenever, der zwar Vorgänger aber keine Vorstufe des Gins ist, denn „beim Gin geht es ja darum, den Neutralalkohol als Träger für die Aromen der Botanicals zu benutzen. Beim Genever hingegen ist es vollkommen anders: Hier geht es zu allererst um den ‚Moutwijn‘, also um die verschiedenen Malz- und Kornbrände, deren Aromen vermählt und dann wiederum durch Botanicals bereichert werden.“  [17]

Wacholderbeeren.

Wacholderbeeren. [28]

An dieser Stelle wollen wir nicht zu sehr auf Jenever eingehen, denn dafür ist ein eigener Beitrag geplant. Nur so viel sei gesagt: Jenever ist der Vorgänger von Gin. Die holländische Tradition besteht darin, Getreide zu destillieren, Wacholderbeeren hinzuzufügen, und erneut zu destillieren. Die Ausprägungen variieren stark. Jenever, die neutraler oder stark nach Getreide schmecken, nur ganz leicht nach Wacholder oder – wie bei Rutte – mit vielen Botanicals versetzt sind. Der Malzwein wurde ursprünglich in einer Brennblase dreifach destilliert. Da dieser nur bis 50 – 70 vol% destilliert wird, ist er noch voller Getreidearomen, ganz im Gegensatz zum Neutralalkohol, mit dem Gin hergestellt wird, denn dieser ist geschmacklos. Die Botanicals werden ebenfalls mit Malzwein (oder Neutralalkohol) destilliert, und beides wird miteinander vermählt. Ein Jenever besteht also aus drei Hauptzutaten: Malzwein, Neutralalkohol, Botanicals. Man unterscheidet oude (alten) Jenever und jonge (jungen) Jenever. Dies hat jedoch keinen Bezug zum Alter des Jenevers, sondern auf seine Rezeptur. Alter Jenever wird nach der alten Rezeptur mit viel Malzwein hergestellt, junger Jenever hingegen enthält mehr Neutralalkohol und ist somit neutraler und weniger getreidig im Geschmack, und hat somit an Charakter verloren. Bei Rutte ist man der Meinung, daß in einen guten Jenever auch ein hoher Anteil an Malzwein gehört. [19]

International erhältliche Produkte

Seit dem Herbst 2015 werden die drei international erhältlichen Produkte durch Borco in Deutschland vertrieben: zwei Gins und ein Jenever: der Dry Gin, Celery Gin und der Old Simon Jenever. [17] [20] [22] [26] Alle sind äußerst köstlich und wir empfehlen sie gleichermaßen, zur Purverkostung und natürlich auch zum Mixen.

Old Simon

Rutte Old Simon.

Rutte Old Simon. [28]

Der Old Simon Jenever ist, wie der Name schon sagt, ein oude Jenever und wird nach dem ältesten Rezept von Rutte destilliert. Er wurde vom Firmengründer Simon Rutte kreiert und wird mit aus Getreide destilliertem Malzwein, Kräutern und Wacholder hergestellt. Im Old Simon kommen insgesamt 14 Botanicals zum Einsatz, darunter sind auch ungewöhnliche Zutaten wie geröstete Haselnüsse, Walnüsse und Sellerie, zusammen mit Koriander, Angelika und Muskatblüte. [19] [21] [22] [23]

Hierbei zeigt sich der Unterschied zu vielen Jenever, die manchmal nur aus einem Botanical bestehen. Für den Old SImon hingegen werden drei verschiedene Destillate und zwei Mazerate als Zwischenprodukt hergestellt, dann mit Malzwein und einem Hauch Zucker verschnitten. [24]

Für Myriam Hendrickx faßt der Old Simon das zusammen, was Rutte ausmacht: Rutte ist eine holländische Firma mit einer langen Tradition als Jeneverproduzent, gleichzeitig aber nicht ganz normal und etwas seltsam, da sie mehr Botanicals als andere Hersteller und ältere Rezepte verwenden und an diesen festhalten. Der Old Simon ist ein Jenever, der nach Getreide mit ganz viel Botanicals schmeckt. [19]

Rutte Dry Gin.

Rutte Dry Gin. [28]

Dry Gin

Auch wenn der Schwerpunkt immer auf Jenever lag, wird Gin bereits seit den 1930er Jahren bei Rutte produziert, wie alte Verkaufs- und Preislisten belegen. [18] [22]

Der Dry Gin besteht aus acht Botanicals, ist sehr sanft, mit viel Wacholder und zwei Arten von Orange. [19]

Der Rutte Dry Gin ist im hamburger Le Lion der offizielle Gin für den Gin Basil Smash. [17] [18]

Celery Gin

Rutte Celery Gin.

Rutte Celery Gin. [28]

Der Celery Gin ist ein modernes Produkt mit einer weitreichenden Tradition. Der Sellerie, der im Vordergrund steht, wurde gewählt, weil dieser Geschmack heute in Cocktails gerne verwendet wird. Sellerie wird jedoch auch seit 140 Jahren in Ruttes Produkten verwendet und ist auch eine der typischen Zutaten, die für den Old Simon verwendet werden. So verbindet Rutte Vergangenheit mit Zukunft. Der Sellerie steht im Vordergrund, ohne dabei zu dominieren. [18] [19] [21] [22] Im Celery Gin kommt auch Kardamom zum Einsatz [22]

Zutaten des Celery Gins.

Zutaten des Celery Gins. [28]

Mit dem Rutte Celery Gin wird im Le Lion für eine Variante des Gin Basil Smash, dem Celery Gin Basil Smash verwendet. [17] [18] Mit diesem Gin gelingt die perfekte Weiterentwicklung des Gin Basil Smash, quasi der Gin Basil Smash 2.0, denn er steigert die Komplexität und fügt eine perfekt harmonierende zusätzliche Schicht an Aromen hinzu . [24] [26] [27]

Weitere Produkte

Wie wir schon im Vorherigen erwähnt haben, gibt es zahlreiche weitere gleichermaßen ungewöhnliche und köstliche Produkte aus dem Hause Rutte. Diese sind leider nicht international erhältlich. Vielleicht findet der Ein oder Andere sie auf einem Besuch nach Holland oder ist sogar selbst bei Rutte vor Ort und kann sie sich dann im Laden kaufen. Unter diesen Produkten möchten wir insbesondere die folgenden hervorheben, doch sei hier ausdrücklich betont, daß auch alle anderen gleichermaßen köstlich und empfehlenswert sind. Der „Oude 12 Jenever“ wurde circa zwölf Jahre in Eichenfässern gereift, ist wundervoll reichhaltig und komplex, mit malzig-vanilligen Aromen von Whiskey und Holz. Wir hatten außerdem das Glück, einige Flaschen eines 15 Jahre lang im Bordeauxfaß gereiften „Single Barrel Jenever“ im Laden zu ergattern, aus dem letzten Faß, das noch von John Rutte selbst destilliert wurde. Eine umwerfende Köstlichkeit – Ihr seht also, ein Besuch bei Rutte kann sich durchaus lohnen. Unter den Likören hat uns besonders der „Ceylon Kaneel likeur“ beeindruckt. Wundervolle Zimtaromen, gleichermaßen zum Purtrinken für den Zimtliebhaber oder auch als Mixzutat zu verwenden. Wer diesen Likör hat, braucht keinen Zimtsirup mehr. Auch der „Augustijner Abdij likeur“ ist außerordentlich köstlich. Ein schöner Klosterlikör, entwickelt von den Dordrechter Mönchen.

Ihr seht also: Gründe genug, einmal selbst in der Destillerie vorbeizuschauen und nach einer Besichtigung auch noch ein paar Souvenirs mitzunehmen. Wir können es nur empfehlen. Öffnungszeiten findet Ihr auf http://www.ruttespirits.com/.

Quellen
  1. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-intro:
  2. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1830: 1830 3rd generation; Antonius Rutte.
  3. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1872: 1872 4th generation; Simon Rutte.
  4. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1905: 1905 5th generation; Anton Rutte.
  5. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1921: 1921 6th generation; Jan Rutte.
  6. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1959: 1959 7th generation; John Rutte.
  7. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1991: 1991 The sale of the distillery to fellow enthusiasts, the 8th generation?
  8. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1995: 1995 Nationwide distribution and out-sourcing of jenever bottling.
  9. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-1998: 1998 Opening of the Tasting Room.
  10. http://www.ruttespirits.com/history/stamboom-2013: 2013 New still.
  11. http://www.ruttespirits.com/distil-rutte/principes: Age-old principles.
  12. http://www.ruttespirits.com/distil-rutte/toveren: A little bit of magic.
  13. http://www.ruttespirits.com/distil-rutte/distillateur: Distiller or chef?
  14. http://www.ruttespirits.com/distil-rutte/ketels: The Stills.
  15. http://www.ruttespirits.com/distil-rutte/vaten: The casks.
  16. http://www.ruttespirits.com/products/jenever-intro: De Rutte jenevercollectie.
  17. http://mixology.eu/drinks/besuch-bei-rutte-gin/: Hype ohne Hype: Rutte Gin. Von Nils Wrage. 9. April 2016.
  18. http://mixology.eu/drinks/rutte-gin-die-neue-ananas/Rutte Gin: Die neue Ananas. Von Reinhard Pohorec. 20. November 2015.
  19. https://soundcloud.com/jrgmyr/a-genever-talk-with-myriam-hendrickx-masterdistiller-at-rutte-znA Genever talk with Myriam Hendrickx – Masterdistiller at Rutte & ZN. Von Jörg Meyer.  September 2015.
  20. Rutte Presse-Mitteilung: The Heritage of Simon Rutte – About Guardians of Tradition And Quality.
  21. Rutte Presse-Mitteilung: A Woman’s Love For Quality Spirits – Meet Rutte Master Distiller Myriam Hendrickx.
  22. Rutte Pressemitteilung: The Rutte International Range – Aromatic Product Variety From A Traditional Dutch Distillery.
  23. http://www.ruttespirits.com/products/jenever-oude-simon: Oude Simon.
  24. https://www.youtube.com/watch?v=1CojFDmL2rU: Rutte – Distillateurs. Vom 14. März 2016.
  25. https://www.youtube.com/watch?v=Ud5GcTD7TeU&nohtml5=False: Rutte & Zn Distillery. Vom 23. März 2015.
  26. http://www.jrgmyr.com/2015/09/visiting-myriam-hendrickx-at-rutte-zn.html: Visiting Myriam Hendrickx at RUTTE & ZN. Producer of finest Genever, Liquors, Dry and Celery Gin. Von Jörg Meyer, 17. September 2015.
  27. http://www.jrgmyr.com/2015/11/an-die-freunde-des-lowen-uber-gin-uber.html: An die Freunde des Löwen: Ueber Gin. Ueber Trends. Von einem, der auszog Genever zu entdecken und den Celery Basil Smash nach Hause brachte. Von Jörg Meyer, 15. November 2015.
  28. Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Rutte zur Verfügung gestellt.

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