Chrysanthemum. Beitragsbild. © Le Lion - Swetlana Holz.

Chrysanthemum Cocktail

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Der Chrysanthemum Cocktail ist ein wahres Meisterwerk aus Wermut, Bénédictine und einem Hauch Absinth, das leider auch heute noch viel zu unbekannt ist. 

Chrysanthemum. © Le Lion - Swetlana Holz.

Chrysanthemum. © Le Lion – Swetlana Holz.

50 ml La Quintinye Blanc Wermut
20 ml Bénédictine
1 dash (1,25 ml) Duplais Verte Absinth

Zubereitung: Gerührt. Mit einer Orangenzeste abspritzen.

Der Chrysanthemum Cocktail erscheint erstmals bei Hugo Richard Ensslin in seinem Buch „Recipes for Mixed Drinks“. Es ist wahrhaft ein Meisterwerk, und man fragt sich, warum er in Vergessenheit geriet. Zwar wird er von Harry Craddock 1930 in sein Savoy Cocktail Book übernommen und taucht in den dreißiger Jahren noch gelegentlich auf, doch danach ist er vergessen worden.

Alles, was wir darüber hinaus wissen, ist Harry Craddocks Angabe, der Chrysanthemum Cocktail sei in der Bar des Schiffes S.S.Europa wohlbekannt und sehr beliebt gewesen.

Chrysanthemum. © Le Lion - Swetlana Holz.

Chrysanthemum. © Le Lion – Swetlana Holz.

Wir finden keine Angabe, woher der Drink seinen Namen hat. Offensichtlich ist er nach der Chrysantheme benannt, doch warum sollte er? Was verbindet einen 1917 publizierten Drink, der vielleicht schon 1916 in Hugo Ensslins Erstausgabe seines Buches „Recipes for Mixed Drinks“ erschien, mit einer Blume? Wäre es Mode gewesen, Drinks nach Blumen zu bezeichnen, müßten wir doch mehr davon in seinem Buch finden, doch dem ist nicht so. Es muß also eine andere Erklärung geben.

Scott Joplin um 1903.

Scott Joplin um 1903. [5]

Wir sind bei unserer Recherche auf etwas sehr Interessantes gestoßen. Scott Joplin widmete sein 1904 komponiertes Musikstück „The Chrysanthemum“ seiner im selben Jahr verstorbenen Frau Freddie Alexander. [1] [2] Dieses Stück wurde 1916 auf Schallplatte veröffentlicht. [2] Scott Joplin verstarb am 1. April 1917 in New York City und war ein angesehener Komponist und Pianist des Ragtime, dem hohe Anerkennung zuteil wurde. [3] Die Aufnahme selbst wurde zwar 1916 auf Platte aufgenommen, doch da Scott Joplin seit 1916 dement war, könnte es sein, daß er nicht selber am Klavier saß. Jedenfalls haben wir den Hinweis gefunden, daß er das Stück auf der in den 1890er Jahren erfundenen Pianola einspielte, und daß diese Aufnahme dann auf Platte gepreßt wurde. [2] Eine Pianola ist eine Selbstspielapparatur für Klaviere, bei der durch Lochstreifen aus Papier, den sogenannten Notenrollen oder Klavierrollen, vorgefertigte Musikstücke auf den Instrumenten wiedergegeben werden können. [4]

Wir glauben, daß die Platte erfolgreich verkauft wurde und am Broadway zu hören war, so daß der Chrysanthemum Cocktail nach Scott Joplins Ragtimestück benannt wurde. Hier ist die Aufnahme:

Quellen
  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Scott_Joplin: Scott Joplin.
  2. https://www.youtube.com/watch?v=euM9giVINgg: Scott Joplin 1916 The Chrysanthemum.
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Scott_Joplin: Scott Joplin.
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Pianola: Pianola.
  5. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Scott_Joplin_19072.jpg: Portrait of Scott Joplin. First published in St. Louis Globe-Democrat newspaper, June 7, 1903.
  6. Die historischen Bücher sind in unseren Beiträgen über historischen Bar-Bücher verzeichnet.

Historische Quellen

1917 Hugo R. Ensslin: Recipes for Mixed Drinks. Seite 12. Chrysanthemum Cocktail.

3 dashes Absinthe.
1/2 Benedictine.
1/2 French Vermouth.
Stir well in a mixing glass with cracked ice, strain and serve with a twist
of Orange Peel.

1930 Harry Craddock: The Savoy Cocktail Book. Seite 47. Chrysanthemum Cocktail.

3 Dashes Absinthe.
1/3 Benedictine.
2/3 French Vermouth.
Shake well and strain into cocktail
glass. Squeeze orange peel on top.
*Well-known and very popular in the American
Bar of the S.S. „Europa.“

1933 Anonymus: O’Dell’s Book of Cocktails. Seite 147. Chrysanthemum Cocktail.

3 dashes Absinthe,
1/3 Benedictine, 2/3 French Vermouth.

1933 Jacob Abraham Grohusko: Jack’s Manual. Seite 55. Chrysanthemum Cocktail.

3 dashes anisette
20% benedictine
80% dry vermouth
Shake well, and strain into cocktail glass. Squeeze orange
peel on top.

1934 William T. Boothby: „Cocktail Bill“ Boothby’s World Drinks. Seite 46. Chrysanthemum.

Fr. Vermouth . . . . . . 2/3 jigger           Benedictine . . . . . . . . 1/2 jigger
.                                Absinthe . . . . . . . . . 3 dashes
Shake well with ice, strain into chilled cocktail glass, twist orange
peel over and serve.

1935 O. Blunier: The Barkeeper’s Golden Book. Seite 89. Chrysanthemum.

1/3 Benedictine
2/3 French Vermouth
3 ds. Absinthe

2016 André Darlington & Tenaya Darlington: The New Cocktail Hour. Seite 61. Chrysanthemum. 60 ml dry vermouth (Noilly Prat); 30 ml Benedictine; 1 shy teaspoon absinthe; garniah: orange peel.

2016 Jamie Boudreau & James O. Fraioli: The Canon Cocktail Book. Seite 80. Chrysanthemum No. 2. 1/4 ounce absinthe; 2 ounces dry vermouth; 1/2 ounce Bénédictine; 1/4 ounce fresh lemon juice.

2011 Jim Meehan: Das Geheime Cocktail-Buch. Seite 89. Chrysanthemum. 6 cl Dolin Vermouth Dry; 2 cl Bénédictine; 0,75 cl Absinth Vieux Pontarlier; 1 Spritzer Orangenbitter; Garnierung: Orangenschale.

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