Der Martini Cocktail: Dekonstruktion eines Klassikers. Teil 1: Einleitung

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Um Manhattan, Martinez und Martini besser in ihrem historischen Kontext verstehen zu können, müssen wir ganz vorne anfangen: Beim Wermut und den ersten Cocktails, die damit gemixt wurden – dem Vermouth Cocktail, dem Manhattan Cocktail und dem Martinez Cocktail. Beginnen wir also die spannende Reise zum Martini Cocktail, die überraschendes aufzeigen wird, zunächst mit einer allgemeinen Einleitung, bevor wir uns den einzelnen Drinks detailliert widmen.

Aufgrund ihres Umfangs erfolgt die Veröffentlichung dieser Abhandlung über den Martini Cocktail in mehreren Teilen, die sich wie folgt gestalten:

Quellen

Insgesamt wurden für diese Beitragsserie 46 verschiedene Veröffentlichungen aus der Zeit zwischen 1869 und 1917 berücksichtigt. Als Quellenangabe wird jeweils Jahr und Autor bzw. bei anonym veröffentlichten Büchern der Titel angegeben. Die genauen Quellenangaben sind in unseren Beiträgen über historische Bar-Bücher, die größtenteils digital im Internet einsehbar sind, nachzulesen.

Umrechnung

Bei alten Rezepturen stellt sich immer die Frage, wie die Mengenangaben umzurechnen sind. Beispielsweise kann ein „jigger“ abhängig vom Zeitpunkt des Erscheinens, des Ortes und des Autors ein unterschiedliches Volumen beinhalten. Wir haben hier folgendes angenommen:

  • 1 jigger = 1 wine-glass = 60 ml
  • 1 pony = 1 liqueur-glass = 30 ml

Gruppierung

Aufgrund der Vielzahl an Rezepten ist es unerlässlich, diese der besseren Übersicht halber zu gruppieren. Dies erfolgt nach zwei Einteilungen, die sich an historischen Bezeichnungen orientieren. Zunächst einmal wird betrachtet, ob die reine Basisspirituose zum Einsatz kommt oder ob noch zusätzliche Aromageber Anwendung finden:

  • plain = ohne Aromageber
  • fancy = mit Aromageber (z.B. Curaçao, Maraschino oder Absinth)

Zum anderen wird nach dem Zuckergehalt unterschieden:

  • sweet = mit Zucker(sirup)
  • dry = ohne Zucker(sirup) und mit italienischem (süßem) Wermut
  • extra dry = ohne Zucker(sirup) und mit französischem (trockenem) Wermut.

Bewertung

Beim Vergleich der historischen Rezepturen kommt es weniger darauf an, Unterschiede zu finden, als vielmehr festzustellen, was den verschiedenen Versionen gemein ist. Man muß sich also entscheiden, welche Zutaten man ignorieren möchte, da sie zu selten genannt werden, und wie die Angaben zu gewichten sind. Letzen Endes wird es jeweils um den prozentualen Anteil bei der Nennung gehen. Man wird davon sprechen wollen, daß eine Zutat statistisch gesehen in jedem Rezept (100% der Fälle), jedem zweiten Rezept (50 % der Fälle), jedem dritten Rezept (33,3% der Fälle) genannt wird. Da wir aber mit Durchschnittswerten arbeiten, müssen wir die Trennung mittig dazwischen legen:

Eine Zutat wird

  • immer verwendet (in „jedem“ Rezept)
    bei einem Anteil zwischen  95% und 100%
  • überwiegend verwendet (in „fast jedem“ Rezept)
    bei einem Anteil zwischen  66,7% und < 95%
  • sehr häufig verwendet (in „jedem zweiten“ Rezept)
    bei einem Anteil zwischen 40% und < 66,7%
  • häufig verwendet (in „jedem dritten“ Rezept)
    bei einem Anteil zwischen 28,6% und < 40%
  • manchmal verwendet (in „jedem vierten bis fünften“ Rezept)
    bei einem Anteil zwischen 18,2% und < 28,6%
  • gelegentlich verwendet (in „jedem sechsten bis siebten“ Rezept)
    bei einem Anteil zwischen 13,3% und < 18,2%
  • selten verwendet: (in „jedem achten bis neunten“ Rezept)
    bei einem Anteil zwischen 10,5% und < 13,3%
  • sehr selten verwendet:  bei einem Anteil < 10,5%

Formulierung

Aus der Analyse der Rezepte ergibt sich eine statistische Häufigkeit darüber, wie oft eine Zutat verwendet wird. Zwar wird immer eine beschreibende Bewertung gegeben, doch darüber hinaus als Quintessenz abschließend auch eine Formulierung in knapper Form. In dieser Formulierung werden nur Zutaten berücksichtigt, die „manchmal“ oder häufiger verwendet werden (also bei mehr als 18,2% respektive bei jedem fünften Rezept oder häufiger). Damit soll erreicht werden, daß der Fokus auf dem liegt, was grundsätzlich ein Rezept ausmacht. Die weniger häufigen Spielarten werden ausgeschlossen. Sind Zutaten oder Gruppen von Zutaten optional, sind sie in runde Klammern gefaßt. Gruppen von Zutaten, die alternativ verwendet werden können, sind mit einem Komma getrennt und mit absteigender Häufigkeit angegeben. Zur Verdeutlichung sei ein Beispiel genannt:

Sweet Fancy Manhattan Cocktail =  Italienischer Wermut + Whiskey + Bitters + Zuckersirup + Curaçao, Absinth, Maraschino (+ Garnierung: Zitronenzeste)

Diese Formulierung bedeutet: Grundsätzlich besteht ein Sweet Fancy Manhattan Cocktail aus folgenden Zutaten: italienischer Wermut, Whiskey, Bitters, Zuckersirup. Hinzu kommt noch eine Zutatengruppe, die Aromageber. Hier sind alternativ Curaçao, Absinth oder Maraschino möglich, wobei Curaçao am häufigsten verwendet wird, Maraschino am seltensten. Als Garnierung kommt eine Zitronenzeste zum Einsatz. Da dies aber nicht immer der Fall ist, sondern nur optional, steht diese Garnierung in runden Klammern.

Nach dieser allgemeinen Einleitung beginnt unsere Reise zum Martini Cocktail im nächsten Teil dieser Beitragsserie mit dem Vermouth Cocktail.

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