Paketdienstleister. Beitragsbild.

Wenn der Bote gar nicht klingelt …

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Mit Paketdienstleistern hat jeder schon so seine Erfahrungen gemacht, und meist bleiben nur die schlechten in Erinnerung. Auch wir sind schon so manches Mal dem Wahnsinn nahe gewesen und wollen in dieser Glosse darüber berichten.

Da der stationäre Einzelhandel in manchen Städten einen großen Bogen um die Vielfalt an Spirituosen macht, die in eine gute Homebar gehören, ist es für den Bildungstrinker unerläßlich, auf das schier unerschöpfliche Angebot des Onlinehandels zurückzugreifen. Hat sich der internetaffine, genußfreudige Warenkorbbestücker erst einmal bis zur Rechnung durchgeklickt und den Bestellvorgang abgeschlossen, so wird ihm sogleich bewußt, daß nun der nervenaufreibende Teil des Einkaufs beginnt: die Lieferung der begehrten Ware.

Als berufstätiger Bürger mit einem Nine-to-Five-Job darf man sich des nachmittags heimkehrend über den an die Haustür des Mehrfamilienhauses vom Paketlieferanten angebappten Zettel freuen, dessen Kleberesteüberbleibsel eine Wonne für die Nachwelt darstellen, zumal wenn sich nach und nach zig Schichten der Mixtur aus Klebstoff- und Papierresten übereinander legen. Für den Paketlieferanten war mal wieder niemand zuhause, auch wenn das nach Rückfrage bei Nachbarn eindeutig widerlegt werden kann und die Vermutung naheliegt, daß der Lieferant keine Lust und/oder Zeit hatte, mehrere Etagen hochzugehen bzw. bei allen Nachbarn zu klingeln.

Hat man die krakelige, schlecht lesbare Schrift entziffert oder erahnt, dann weiß man, wo man frühestens am nächsten Werktag sein Paket abholen darf. Wenn man Glück hat, dann verschlägt es einen nur ein paar Hundert Meter entfernt in einen Kiosk mit wunderbar langen Öffnungszeiten. Wenn man Pech hat und so ist es uns bereits geschehen, wird man aufgefordert, einen Kiosk in drei Kilometer Entfernung zu beehren. Diese Aufforderung zur Weltreise schrie förmlich nach einem Anruf beim Paketdienst und nach einigem verbalen Hin und Her zeigte sich die Callcentermitarbeiterin gnädig und ordnete eine erneute Zustellung in einem nur ein paar Hundert Meter entfernt liegenden Copy-Shop an. Dort wurde das Paket allerdings nicht hingeliefert, nein, es wurde am nächsten Tag zuhause zugestellt, aber auch nur, weil meinereiner zufällig zugegen war. So kam dann nun also nach einer einwöchigen Irrfahrt durch zwei Stadtteile das Paket endlich bei uns an. Nur gut, daß es sich nicht um verderbliche Ware gehandelt hat.

Eine andere Variante der Nichtzustellung von Paketen erleben wir bei DHL. DHL bietet seinen Kunden auf der Website nach dortiger Registrierung an, die Lieferung an einen Paketshop respektive Postfiliale durchzuführen. Das klingt gut, klappt auch meistens, aber bei Fahrerwechseln, die aufgrund der bei DHL anscheinend herrschenden hohen Personalfluktuation häufiger vorkommen, dann nicht mehr so reibungslos. In der Sendungsverfolgungs-E-Mail von DHL heißt es dann, daß die Postfiliale nicht existiere oder die Anschrift nicht leitcodierfähig sei und die Lieferung somit wieder an den Versender zurückgeschickt werde. Das ist schon komisch, denn wir haben uns schon etliche Male in diese Postfiliale etwas schicken lassen und sogar auf der DHL-Website kann man die Postfiliale finden. Auch haben wir die Vorgaben was die Adressierung anbelangt eingehalten und die Lieferanschrift bei ein und demselben Versender nicht verändert. Mal kommt das Paket an, beim nächsten Mal erhält man die genannten dubiosen Meldungen über die Nichtexistenz der Postfiliale.

Interessant ist auch folgender Vorfall, als wir per Zettel aufgefordert wurden, unsere Habseligkeiten am folgenden Tage bei der weit entfernten und äußerst schlecht erreichbaren Filiale abzuholen, bei der es sich übrigens laut Internetkommentaren um die schlechteste Filiale Deutschlands handeln soll. Einmal angekommen, wird einem per Türaushang mitgeteilt, die Filiale sei mehrere Tage über Pfingsten geschlossen, offiziell wegen „Personalengpaß“. Nun, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und in seiner Not versucht man über das Callcenter zu erfahren, ob der Personalengpaß nicht vielleicht doch am nächsten Tag beseitigt sei. Nach ausführlicher Schilderung des Sachverhalts und ausdrücklichem Nachfragen wurde bestätigt, die Filiale sei entgegen der Aushangsinformation am Folgetag doch geöffnet, so stehe es jedenfalls im EDV-System. Denkste. Erneut hat der nach Nachschub lechzende Bildungstrinker den weiten Weg zurückgelegt, um vor verschlossener Tür zu stehen.

Skurril war auch mal ein zum Glück einmaliger Vorgang, als nämlich ein Paket einfach vor die Haustür unseres Mehrfamilienhauses gestellt wurde. Jeder zufällig vorbeikommende Bewohner unseres Planeten hätte das Paket an sich nehmen können. Reiner Zufall, daß es dort noch stand als einer von uns nachmittags nach Hause kam. Ach ja, und da wären dann noch die Vorkommnisse, als Sendungen, die mit dem Service „Eigenhändig“ versandt wurden – für die man einen Aufpreis von 1,80 € zahlt und bei der die Sendung ausschließlich dem Empfänger persönlich übergeben werden darf – einfach auf den Hausflurbriefkästen abgelegt wurde.

Ach, was soll’s, ein wenig Aufregung hält den Kreislauf in Schwung – es muß ja nicht immer Champagner sein.

Über welche bizarren Paketzustellungserlebnisse könnt Ihr berichten? Wir freuen uns schon auf Eure Kommentare!

Ein Kommentar

  1. Jaaa, das alte Problem. Jeder „Homebartender“ kennt glaube ich das Problem. Das geht auch weit über Spirituosen Bestellung hinaus und ist ein grundsätzliches Problem.
    An dieser Stelle soll aber auch gesagt sein, dass vor allem die Politik der Paketdienste dafür Rechnung trägt. Es wird fast nur noch mit Subunternehmern gearbeitet, die nur einen Bruchteil von dem verdienen, was ein direkter Angestellter z.B. bei DHL oder UPS bekommt. Dazu kommen kontinuierlich wachsende Paketbestände. Die Kerle sind echt nicht zu beneiden! Ich glaube aber, der Verbraucher hat hier viel Macht zur Veränderung. Wenn dieses Problem mehr Leute erkennen würden und Ihren Unmut dazu äußern, dann könnte sich vielleicht an der Politik etwas ändern.
    Meine Erfahrungen decken sich in etwa mit diesem Artikel. Bei DPD & GLS habe ich grundsätzlich das Gefühl, dass gar nicht versucht wird, das Paket bei einem Nachbarn abzugeben. Bei GLS ging es sogar schon so weit, dass der Zusteller nicht einmal mehr geklingelt hat und auch keinen Paketschein hinterlassen hat, wo die Ware abzuholen ist. Nach 1-2 Wochen habe ich mich gefragt, wo denn mein Paket bleibt…Über die Sendungsnummer habe ich dann gesehen, dass dieses vor über einer Woche dort abgegeben wurde. Das Ganze ist mir 3x mit GLS passiert.
    Für DHL muss ich eine Lanze brechen! In den letzten Jahren habe ich fast nur gute Erfahrungen mit diesem Unternehmen gemacht. Pakete werden bei Nachbarn abgeben, die angekündigten Zustellzeiten werden eingehalten usw.

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