Deshler. Beitragsbild. © Le Lion - Swetlana Holz.

Deshler Cocktail

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Dieser Cocktail, der auch als Dandy Cocktail bekannt ist, ist ein Paradebeispiel dafür, wie scheinbar allgemeingültige Regeln gebrochen werden können, da das Ergebnis dies rechtfertigt. Er ist ein bemerkenswerter Drink aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert auf der Basis von Roggenwhiskey und Dubonnet, der recht selten angeboten wird.

Deshler. © Le Lion - Swetlana Holz.

Deshler. © Le Lion – Swetlana Holz.

40 ml 1776 James E. Pepper Rye
40 ml Dubonnet
10 ml Combier Triple Sec
1 Zitronenzeste
2 Orangenzesten
2 dash Peychaud’s Bitters
1 Orangenzeste als Garnierung

Zubereitung: Alles bis auf die einzelne Orangenzeste, die als Garnierung verwendet wird, schütteln. In ein Glas abseihen und mit der einzelnen Orangenzeste abspritzen.

Deshler im Rührbecher. © Le Lion - Swetlana Holz.

Deshler im Rührbecher. © Le Lion – Swetlana Holz.

Der Deshler Cocktail ist für uns ein interessanter Cocktail, denn er zeigt, daß es zwar anscheinend unumstößliche Regeln hinter dem Bartresen gibt, man diese aber, wenn man sie verstanden hat, durchaus brechen kann. Eine dieser Regeln lautet, daß nur Drinks mit Zitrusfrüchten geschüttelt werden, ansonsten werden sie gerührt, um Trübungen zu vermeiden. Der Deshler Cocktail mißachtet diese Regel aus gutem Grund. In diesem Drink sind die Öle der Zitrone und Orange außerordentlich wichtig, denn sie verleihen eine deutliche Fruchtigkeit, ohne daß Saft verwendet wird. Da diese Fruchtigkeit von den Ölen der Schale stammt, müssen diese Öle extrahiert werden – und das geht am besten, indem man die Zesten mitschüttelt. Rühren reicht hier nicht.

Der Deshler Cocktail stammt vermutlich von Richard Hugo Ensslin. In seinem Buch findet sich erstmals die Rezeptur. Durchsucht man das Internet, so stößt man auf die Angabe, der Cocktail sei nach dem Leichtgewichts-Boxer Dave Deshler aus Boston benannt. [1] [2] [3] [7] [8] Woher diese Aussage stammt, darüber schweigt man jedoch. In den Büchern steht nirgends ein Hinweis, der uns darüber Auskunft gibt, auf wen oder was sich der Name des Cocktails bezieht. Deshalb wird irgendjemand vermutet haben, dies könne Dave Deshler gewesen sein. Wir folgen dieser Deutung nicht.

Wallick Hotels.

Wallick Hotels. [5]

Recherchiert man ein wenig das Leben von Hugo Richard Ensslin und schaut sich sein Buch genau an, so erfährt man, daß er Bartender im Hotel Wallick am Broadway war. Die Wallicks betrieben weitere Hotels, darunter das Secor Hotel in Toledo, Ohio und das am 23. Juni 1916 eröffnete Deshler Hotel in Columbus, Ohio. Während der Wirtschaftskrise mußten sie zwei ihrer Häuser verkaufen und behielten nur das Deshler Hotel, welches 1934 von Hilton übernommen wurde, jedoch blieb Louis C. Wallick Hoteldirektor. 1969 wurde das Deshler Hotel abgerissen. [4] Wir sind der Meinung, daß der Deshler Cocktail der Signature-Drink des Deshler Hotels gewesen ist. Diese Annahme beruht auf Indizien, die sich aus Hugo Ensslins Buch ergeben. Das Hotel Wallick war offensichtlich Namenspate für mehrere Drinks. Auf Seite 33 finden wir den „Wallick Cocktail“ und einen Drink namens „Wallick’s Special“. Auf Seite 64 „Wallick’s Merry Widow“. Was liegt dann näher, als für das neuerrichtete Deshler Hotel in Columbus ebenfalls einen Signature-Drink zu entwickeln? Da es erst 1916 eröffnet wurde, erklärt sich auch, warum wir den Drink erstmals ab diesem Jahr finden, und dann auch noch erstmals bei Hugo Richard Ensslin. Es ist also naheliegend, daß er den Drink für die neue Hotelbar selber entwickelt hat. Interessant wäre nun, zu wissen, ob der Drink bereits in der Erstausgabe von Hugo Ensslins Buch aus dem Jahr 1916 enthalten ist.

Das Deshler Wallick Hotel in Columbus, Ohio.

Das Deshler Wallick Hotel in Columbus, Ohio, nach 1927. [6]

Interessanterweise hat der Deshler Cocktail bei der nächsten Publizierung im Jahr 1927 seinen Namen geändert. Er heißt in „The Buckstone Book of Cocktails“ Dandy Cocktail. Woher dieser Name stammt, und warum er geändert wurde, konnten wir nicht ermitteln. In den historischen Büchern firmiert er zumeist als Dandy Cocktail, insgesamt haben wir ihn zehn Mal gefunden. Als Deshler Cocktail nur drei Mal, und zwar als Erstnennung bei Hugo Ensslin und dann noch in zwei Ausgaben von Patrick Gavin Duffys „The Official Mixer’s Manual“ in den Jahren 1934 und 1940. Richtig bekannt waren also beide Namen anscheinend nie. 1934 listen die American Traveling Mixologists einen Dandy Cocktail mit grundverschiedener Rezeptur, und 1955 wird ein Dandy Cocktail bei Santiago Policastro publiziert, er hat jedoch auch eine komplett andere Rezeptur. Wir haben darüber hinaus einen Twist gefunden, bei dem die Bitter durch Absinth ersetzt wurden, dieser nennt sich dann Temptation und erschien 1935 bei O. Blunier in „The Barkeeper’s Golden Book“.

Es gibt auch Angaben darüber, daß der Cocktail gerührt wird, erstmals wird dies von Patrick Gavin Duffy 1934 angegeben. In modernen Büchern ist die Zitronenzeste verschwunden, und die Orangenzeste wird nur noch als Garnitur verwendet. Das ist sehr bedauerlich. Wir empfehlen ganz klar, ihn mit den Zesten zu schütteln, so wie es Hugo Ensslin vorgesehen hat. Denn dadurch wird dieser Cocktail erst zu dem, was ihn ausmacht.

Quellen:
  1. http://www.mensjournal.com/expert-advice/21-perfect-cocktails-for-summer-20140624/the-deshler-from-butcher-singer: 21 Perfect Cocktails for Summer. The Deshler from Butcher & Singer.
  2. http://blog.vincekeenan.com/2012/08/cocktail-of-week-deshler.html: Cocktail of the Week: The Deshler. Von Vince Keenan, 31. August 2012.
  3. http://boxrec.com/boxer/55831: Dave Deshler.
  4. http://bar-vademecum.de/hugo-richard-ensslin/: Richard Hugo Ensslin.
  5. Hugo R. Ensslin: Recipes for Mixed Drinks. 2. Auflage, New York 1917.
  6. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deshler-Wallick_Hotel_in_Columbus,_Ohio.jpg: The Deshler Wallick in Columbus. Back of postcard reads: „The Deshler Wallick has an international reputation as one of America’s finest hotels. It is luxuriously furnished, has 1000 rooms, 1000 baths and is located in the exact center of Columbus, the capital of Ohio. James H. (Jimmy) Michos, Resident Manager, is famous as a host. Columbus – A Friendly City.“
  7. Jim Meehan: Das Geheime Cocktail-Buch (The PDT Cocktail Book, New York 2011). ISBN 978-3-89955-436-6. Berlin, Die Gestalten Verlag, 2012. Seite 105.
  8. Sean Muldoon & Jack McGarry: The Dead Rabbit Drinks Manual. ISBN 978-0-544-37320-4. 2015. Seite 256.

Historische Rezepte

1917 Hugo R. Ensslin: Recipes for Mixed Drinks. Seite 15. Deshler Cocktail.

1/2 jigger Rye Whiskey
1/2 jigger Dubonnet
2 dashes Peychaud Bitters
2 dashes Contreau Triple Sec.
1 piece Lemon Peel
2 Pieces Orange Peel
Shake well in a mixing glass with cracked ice, strain and serve with a twist
of orange peel on top.

1925 „Robert“ Buckby & George Stone: The Buckstone Book of Cocktails. Seite 21. Dandy Cocktail.

1/2 Canadian Club Whisky, 1/2 Dubonnet, dash
of Cointreau, dash of Angostura Bitters,
piece of lemon peel, piece of orange peel.
Shake and strain.

1930 Harry Craddock: The Savoy Cocktail Book. Seite 56. Dandy Cocktail.

1/2 Rye or Canadian Club
Whisky.
1/2 Dubonnet.
1 Dash Angostura Bitters.
3 Dashes Cointreau.
1 Piece Lemon Peel.
1 Piece Orange Peel.
Shake well and strain into
cocktail glass.

1933 Antonio Josa: Cocktelera universal. Seite 22. Dandy Cocktail.

Una gota de Angostura Bitters.
Tres gotas de Cointreau.
1/2 de Dubonet.
1/2 de Whisky Canaclian Club.
Añádase una corteza de limón y otra de
naranja.

1934 American Traveling Mixologists (Charles C. Mueller, Al Hoppe Sr., A. V. Guzman & James Cunningham): Pioneers of Mixing at Elite Bars 1903-1933. Seite 183. Dandy Cocktail.

Jigger Bourbon
1/2 Lemon Juice
2 Dashes Loganberry and Grenadine
Shake and strain. Glass No. 4.

1934 Patrick Gavin Duffy: The Official Mixer’s Manual. Seite 111. Dandy Cocktail.

1/2 Rye Whisky
1/2 Dubonnet
1 Dash Angostura Bitters
3 Dashes Cointreau
1 Piece Lemon Peel
1 Piece Orange Peel
Stir well in ice and strain.
Use glass number 2

1934 Patrick Gavin Duffy: The Official Mixer’s Manual. Seite 112. Deshler Cocktail.

1/2 Jigger Rye Whisky
1/2 Jigger Dubonnet
2 Dashes Peychaud Bitters
2 Dashes Cointreau Triple Sec
1 Piece Lemon Peel
2 Pieces Orange Peel
Shake well with cracked ice, strain and serve
with a twist of Orange Peel.
Use glass number 2

1934 William T. Boothby: „Cocktail Bill“ Boothby’s World Drinks. Seite 56. Dandy.

Whisky  . . . . . . . . 1/3 jigger       Dubonnet . . . . . . . 1/3 jigger
Cointreau . . . . . . 3 dashes        Bitters . . . . . . . . . . 2 drops
Lemon peel  . . . . 1 piece           Orange peel . . . . . 1 piece
Shake all well with ice, strain into chilled cocktail glass and serve.

1935 O. Blunier: The Barkeeper’s Golden Book. Seite 92. Dandy.

1/2 Rye Whisky
1/2 Dubonnet
1 ds. Angostura
3 ds. Cointreau
1 Orange
1 Lemon peel

1935 O. Blunier: The Barkeeper’s Golden Book. Seite 141. Temptation.

3/4 Rye Whisky
2 ds. Dubonnet
Absinthe
Curasao
and rind of Lemon and
Orange

1937 United Kingdom Bartender’s Guild: Approved Cocktails. Dandy.

50% Rye or Canadian Club Whisky.
50% Dubonnet.
1 dash Angostura Bitters.
3 dashes Cointreau.
1 piece Lemon Peel.
1 piece Orange Peel.
Shake and strain into cocktail glass.

1937 William J. Tarling: Café Royal Cocktail Book. Dandy.

1/2 Rye or Canadian Club Whisky.
1/2 Dubonnet.
1 dash Angostura Bitters.
3 dashes Cointreau.
1 piece Lemon Peel.
1 piece Orange Peel.
Shake and strain into cocktail glass.

1940 Patrick Gavin Duffy: The Official Mixer’s Manual. Seite 111. Dandy Cocktail.

1/2 Rye Whisky
1/2 Dubonnet
1 Dash Angostura Bitters
3 Dashes Cointreau
1 Piece Lemon Peel
1 Piece Orange Peel
Stir well in ice and strain.
Use glass number 2

1940 Patrick Gavin Duffy: The Official Mixer’s Manual. Seite 112. Deshler Cocktail.

1/2 Jigger Rye Whisky
1/2 Jigger Dubonnet
2 Dashes Peychaud Bitters
2 Dashes Cointreau Triple Sec
1 Piece Lemon Peel
2 Pieces Orange Peel
Shake well with cracked ice, strain and serve
with a twist of Orange Peel.
Use glass number 2

1955 Santiago Policastro (Pichin): Tragos Mágicos. Seite 72. Dandy.

En coctelera de vidrio o recipiente que haga las veces de tal colocar
4 ó 5 trozos de hielo del tamaño de una nuez; luego verter:
20 g. de apricot brandy
50 g. de oporto
100 g. de whisky
30 g. de Old Tom gin
Refrescar durante 1 minuto y servir en vaso barril con una cáscara
de limón.

1964 Anonymus: Manual del bar. Seite 176. Dandy.

.                                                   1 golpe de Bitters Angostura.
Refrescado.                             1 golpe de Triple Sec.
Servido en una copa de       40 gramos de Whisky Ameri-
90 gramos.                                    cano Rye.
.                                                  40 gramos de Dubonnet.
.                                                  El zumo de una corleza de li-
.                                                  món.

2012 Jim Meehan: Das geheime Cocktail-Buch. Seite 105. Deshler. 4,5 cl Rittenhouse Rye Whiskey 50%; 3 cl Dubonnet Rouge; 0,75 cl Cointreau; 2 Spritzer Peychaud’s Bitters; Garnitur: Orangenzeste.

2015 Sean Muldoon, Jack McGarry & Ben Schaffer: The Dead Rabbit Drinks Manual. Seite 256. Deshler. 1 1/2 ounces Bulleit Rye; 1/2 ounce Contratto Vermouth Rosso; 1/2 ounce Bigallet China China Amer; 1/4 ounce Royal Combier; 4 dashes Peychaud’s Bitters; 4 dahes Pernod Absinthe; garnish: orange peel.

2016 André Darlington & Tenaya Darlington: The New Cocktail Hour. Seite 68. Deshler Cocktail. 60 ml rye whiskey (Rittenhouse); 45 ml Dubonnet Rouge; 7 ml orange curaçao (Pierre Ferrand); 2 dashes Peychaud’s Bitters; garnish: Orange twist.

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