Drinks

Toronto

Toronto.

Mit dem richtigen Fernet und einem würzigen Rye wird der Toronto zu einem Genuß. Er stammt aus Toronto und entstand vor der Prohibition.

35 ml 1776 Rye James E. Pepper
35 ml Gagliardo Fernet Radicale
1 dash Angostura Bitters

Zubereitung: Gerührt

Alternativ und von uns aktuell bevorzugt:

35 ml Stork Club Straight Rye
35 ml Nardini Fernet
1 dash Angostura Bitters

Die ersten Rezepte

Das erste Rezept, das sich Toronto nennt, haben wir 1930 bei William T. Boothby gefunden. Es besteht aus je 1/3 Jigger, also 20 ml, Whiskey und Fernet, hinzu kommen 2 Dash Zuckersirup und 2 Tropfen Angostura Bitters. Dieses ist jedoch vergleichbar zu Robert Vermeires Fernet Cocktail aus dem Jahr 1922. Er verwendet jeweils 1/4 gill, also circa 35 ml Fernet und Cognac oder Rye Whiskey, 1 Dash Angostura Bitters und 2 Dashes Zuckersirup. Abschließend drückt er eine Zitronenzeste über dem Drink aus. Robert Vermeire gibt an, daß dieser Cocktail von den Kanadiern aus Toronto sehr geschätzt werde.

Man muß jedoch feststellen, daß Robert Vermeire nicht der Erste ist, der Fernet mit Whiskey kombiniert. Bereits Louis Muckensturm publiziert ein ähnliches Rezept für einen Marine Cocktail, jedoch mit weit weniger Fernet, und ein Rezept für einen Fernet Cocktail, der jedoch zusätzlich Curaçao verwendet und auf weitere Bitter verzichtet.

Die Bezeichnung „Fernet Cocktail“, wie sie Robert Vermeire verwendet, eignet sich jedoch trotz der ältesten Namensrechte nicht, da unter diesem Sammelbegriff viele verschiedene Rezepte verstanden wurden. 1924 nennt Carlo Beltramo den Toronto „Siki Cocktail“, doch diese Bezeichnung konnte sich nicht durchsetzen. Auch „The Mussolini“ wie bei Judge Jr. im Jahr 1929 möchte man diesen Drink nicht wirklich nennen. 1930 schließlich verwendet William Boothby die Bezeichnung „Toronto“, und unter diesem Namen kennen wir den Cocktail noch heute. Eine andere Bezeichnung, die man finden kann, ist „King Cole“. Letzterer enthält jedoch im Vergleich zu wenig Fernet oder wird sogar mit Bourbon zubereitet, wie bei Hugo Ensslin im Jahr 1917.

Die Zutaten

Die publizierten Rezepturen verwenden unterschiedlich viel Fernet. Es fällt auf, daß praktisch alle moderneren Rezepte viel weniger Fernet als Rye Whiskey verwenden. Wir empfehlen ganz klar, dies nicht zu tun. Der Toronto verliert dadurch das, was ihn ausmacht. Hintergrund für diese Minderung mag sein, daß der Drink unausgewogen erscheint. Auch wir haben mit den unterschiedlichsten Fernets keinen Zugang gefunden. Insbesondere Frank Arne als jemand, der Fernet gegenüber grundsätzlich skeptisch eingestellt ist und ihn eigentlich überhaupt nicht mag, hatte hier eine gewisse Abneigung. Mit dem richtigen Fernet jedoch gelingt der Cocktail mit gleichen Teilen Fernet und Whiskey ganz famos. Wichtig ist natürlich auch, einen würzigen Rye zu verwenden, der dem Fernet etwas entgegenzusetzen hat. Frank Arnes eindeutiger Kommentar zu unserer Rezeptur: Auf keinen Fall darf man weniger Fernet verwenden.

Wir haben uns also an Robert Vermeires Rezept orientiert. Wir sind der Meinung, daß keine zusätzliche Süßung erforderlich ist und daß eine Zitronenzeste, die man darüber ausdrückt, zumindest bei den von uns verwendeten Zutaten eher zu einer Verschlechterung führt. Wir haben also auf Zitronenzeste und Zuckersirup verzichtet.

Der Name

Woher die Bezeichnung genau kommt, darüber kann man spekulieren. Robert Vermeire gibt uns einen Hinweis, auch wenn der Cocktail bei ihm einfach nur Fernet Cocktail heißt. Er schreibt, daß dieser Cocktail von den Kanadiern aus Toronto sehr geschätzt werde: „This cocktail is much appreciated by the Canadians of Toronto“. [6]

Ab 1916 wurde in Ontario und damit in Toronto Alkohol immer schwerer erhältlich, und schließlich wurde die Prohibition eingeführt, die zum größten Teil erst 1927 aufgehoben wurde. [5] Während der Prohibitionszeit waren in Toronto sowohl Fernet als auch Rye Whiskey sicherlich schwer erhältlich. Es ist nun unklar, ob man den Cocktail schon in Toronto trank, und die Rezeptur dann seinen Weg zu Robert Vermeire gefunden hatte, oder ob er mit seiner Anmerkung meint, daß die aus Toronto stammenden Besucher seiner londoner Bar diesen Cocktail besonders mochten. Diese Frage wird immer wieder aufgeworfen. Hilft uns ein Blick auf die Geschichte, um Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen?

Die erste große Einwandererwelle nach Toronto kam im 19. Jahrhundert aus Irland. Die Iren machten 1851 mehr als die Hälfte aller Bewohner aus. Ab 1900 kamen weitere Ethnien nach Toronto, darunter insbesondere Deutsche, Franzosen, Italiener und jüdische Einwanderer aus Osteuropa. [2] Interessant ist vielleicht auch, daß Toronto das größte Zentrum der Destillation in Nordamerika wurde. In den 1860er Jahren war „Gooderham and Worts“ die größte Whiskeyfabrik der Welt. [2]

Ein Fernet Cocktail bestehend aus einer Kombination aus Rock & Rye Whiskey, etwas Fernet Branca und einem Spritzer Glyzerin wird erstmals von Louis Muckensturm im Jahr 1906 publiziert. Ein Rock & Rye Whiskey war im 19. Jahrhundert eine Mischung aus Rye Whiskey, Kandiszucker und Zitrus. [3] [4] Man kann sich gut vorstellen, daß Muckensturms Fernet Cocktail in Toronto bekannt war. In Anbetracht der dortigen Whiskeyproduktion ist es naheliegend, daß man Whiskey trank, und man kann sich auch gut vorstellen, daß aufgrund der italienischen Einwanderer auch Fernet in die Stadt kam und von ihnen bevorzugt getrunken wurde. Es ist also durchaus denkbar, daß diese auf einen erhöhten Fernetanteil im Drink bestanden, und man anstelle eines Rock & Rye einen einfachen Rye mit etwas Zuckersirup und zusätzlich die über den Cocktail gespritzte Zitronenöle verwendete. So wäre plausibel zu erklären, warum gerade der Toronto Cocktail in Toronto so beliebt war und schließlich nach dieser Stadt seinen Namen erhielt.

Wir deuten deshalb Robert Vermeires Aussage so, daß der Cocktail aus Toronto stammt und bei den dortigen Bewohnern sehr beliebt war. Hätte er nur die Besucher seiner Bar gemeint, hätte er dies sicherlich auch so formuliert, so wie er beispielsweise beim Bacardi Cocktail schreibt, daß nach diesem in London eine große Nachfrage bestehe: „This cocktail is in great demand in London“. Ansonsten gibt er an, wo der jeweilige Drink herkommt oder beliebt ist. So ist der Bamboo Cocktail beliebt unter den in Indien lebenden Briten: „This drink is very popular amongst the British residents in India“. Der Cooperstown Cocktail ist bei den Cowboys in Amerika sehr beliebt: „This drink is very popular amongst the cowboys in America“. Der Daiquiri ist in Cuba und der amerikanischen Südstaaten wohlbekannt: „The Daiquiri Cocktail is well known in Cuba and the Southern States of the U.S.A“. Der Dubonnet Cocktail ist beim Erscheinen des Buches in London sehr populär: „Another Cocktail made with Dubonnet which is very popular in London just now“. Der Handicap Cocktail ist wohlbekannt in Dresden: „This cocktail is well known in Dresden“. Wir verzichten auf weitere Beispiele. Denn die gegebenen zeigen bereits, daß man seine Worte nicht anders interpretieren kann, als daß der Drink in Toronto bei den dort lebenden Kanadiern sehr geschätzt wird: „This cocktail is much appreciated by the Canadians of Toronto“

Quellen
  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Toronto_(cocktail): Toronto (cocktail).
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/Toronto: Toronto.
  3. https://www.liquor.com/articles/rock-and-rye/: This is How to Bring Rock and Rye Back from the Dead. Von Amy Zavatto, 13. Januar 2015.
  4. https://www.thespruceeats.com/how-to-make-rock-and-rye-whiskey-760286: How to Make Rock and Rye Whiskey. Von Lance Mayhew, 19. November 2018.
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Ontario_Temperance_Act: Ontario Temperance Act.
  6. Robert Vermeire: Cocktails. How to Mix Them. 1922.
Toronto.
Toronto.

Historische Rezepte

1906 Louis Muckensturm: Louis‘ Mixed Drinks. Seite 37. Marine Cocktail.

Take one dash of glycerine,
One dash of Fernet Branca, and
One cocktail-glass of Rock and Rye whiskey.
Fill the mixing-glass with ice; stir well and strain into a
cocktail-glass. Twist a piece of orange peel on top.

1906 Louis Muckensturm: Louis‘ Mixed Drinks. Seite 41. Fernet Cocktail.

Take two dashes of Curacao,
One liqueur-glass of Fernet Branca, and
Two liqueur-glasses of Italian Vermouth,
Fill the mixing-glass with ice; stir well and strain into a
cocktail-glass.

1922 Robert Vermeire: Cocktails. Fernet Cocktail.

1 dash of Angostura Bitters.
2 dashes of plain Sugar or Gum Syrup.
1/4 gill of Fernet Branca.
1/4 gill of Cognac Brandy, or Rye Whisky to taste.
Stir up well with a spoon, strain into a cocktail-glass, and squeeze lemon-peel on top.
This cocktail is much appreciated by the Canadians of Toronto.

1924 Carlo Beltramo: Carlo’s Cocktails et boissons américaines. Seite 30. Siki cocktail.

Se prépare dans le tumbler à moitié rempli
de glace en morceaux: Quelques gouttes d’an-
gostura bitter, 1 cuillerée à thé de sirop de
sucre, 1/4 dl. de Fernet-Branca, 1/4 dl. de bon
cognac vieux ou du Rye Whisky, suivant le
goût. — Bien remuer et verser dans un verre
à cocktail avec zeste de citron. Ce cocktail
est très apprécié des Canadiens,

1929 Judge Jr.: Here’s How Again. Seite 57. The Mussolini.

NAMED after Il Duce and now
we know why!

1/2 Brandy or Rye
1/2 Fernet Branca
(Ask an Italian what this is!)
Sweeten with powdered sugar
Dash of Angostura Bitters

1930 William T. Boothby: „Cocktail Bill“ Boothby’s World Drinks. Seite 82. Toronto.

Whisky . . . . . . . . 1/3 jigger               Fernet . . . . . . . . . . 1/3 jigger
Sugar Syrup . . . . 2 dashes               Angostura . . . . . . . 2 drops
Stir well with ice, strain into chilled cocktail glass, twist orange peel over
and serve.

1934 William T. Boothby: „Cocktail Bill“ Boothby’s World Drinks. Seite 167. Toronto.

Whisky . . . . . . . . 1/3 jigger               Fernet . . . . . . . . . . 1/3 jigger
Sugar Syrup . . . . 2 dashes               Angostura . . . . . . . 2 drops
Stir well with ice, strain into chilled cocktail glass, twist orange peel over
and serve.

1937 United Kingdom Bartender’s Guils: Approved Cocktails. Fernet.

1 dash Angostura Bitters.
2 dashes plain Sugar or Gum Syrup.
50% Fernet Branca.
50% Cognac Brandy or Rye Whisky.
Stir with a spoon, strain into a cocktail glass, and
squeeze lemon peel on top.

1937 United Kingdom Bartender’s Guils: Approved Cocktails. King Cole.

1 glass Rye or Canadian Club Whisky.
2 dashes Syrup.
1 dash Fernet Branca.
Mix and decorate with slices of orange and pineapple.

1937 William J. Tarling: Café Royal Cocktail Book. Fernet.

1 dash Angostura Bitters.
2 dashes plain Sugar or Gum Syrup.
1/2 Fernet Branca.
1/2 Cognac Brandy or Rye Whisky.
Stir with a spoon, strain into a
cocktail glass, and squeeze lemon
peel on top.

1937 William J. Tarling: Café Royal Cocktail Book. King Cole.

1 glass Rye or Canadian Club
Whisky.
2 dashes Syrup.
1 dash Fernet Branca.
Mix and decorate with slices of
orange and pineapple.

1948 David A. Embury: The Fine Art of Mixing Drinks. Seite 160. Toronto.

A modified Old-Fashioned is made with Fernet-
Branca, a bitters particularly well loved by Italians,
and is called Toronto.

1 part Sugar Syrup
2 parts Femet-Branca
6 parts Canadian Whisky
1 dash Angostura to each drink (optional)

This cocktail may be made in Old-Fashioned glasses
or may be stirred with large cubes of ice and strained
into cocktail glasses. In either case, decorate with a
twist of orange peel.

1949 Emile Bauwens: Livre de Cocktails. Seite 50. King Cocktail.

1 Trait Fernet Branca –
2 Traits Curaçao –
1 Verre Whisky Canadien Club –
Remuer au verre à mélange et passer
dans un verre à cocktail; avant de
servir, décorer avec un morceau
d’orange et un morceau d’ananas.

King Cocktail. Emile Bauwens, Livre de Cocktails, Seite 50, 1949.
King Cocktail. Emile Bauwens, Livre de Cocktails, Seite 50, 1949.

1961 Anonymus: Cocktails y bocaditos. Seite 102. Toronto.

(Para 3 porciones)
Almíbar, 1 medida – Fernet, 2 medidas – Whisky, 6 medidas
Angostura, 3 cucharaditas (optativo) – Cubitos de hielo, 4 –
Cáscara de naranjo, 3 trocitos (para decorar).

• Revolver los ingredientes ·en el vaso mezclador.
• Enfriar, colar y servir en vasos de 120 gra-
mos, decorando cada uno con un trocito de
cáscara de naranja.

2011 Brad Thomas Parsons: Bitters. Seite 148. Toronto. 2 ounces rye or Canadian whiskey; 1/4 ounce Fernet-Branca; 1/4 ounce simple syrup; 2 dashes Angostura or Aromatic bitters. Garnish: orange twist.

2011 Helmut Adam, Jens Hasenbein, Bastian Heuser: Cocktailian 1. Seite 297. Toronto. 6 cl Rye Whiskey; 1 Barlöffel Zuckersirup; 1 cl Fernet Branca; Garnierung: Orangenzeste.

2014 David Kaplan, Nick Fauchald, Alex Day: Death & Co. Seite 152. Toronto. 2 ounces Rittenhouse 100 rye; 1/2 ounce Fernet-Branca; 1 teaspoon Demerara syrup; garnish: 1 lemon twist.

2016 André Darlington & Tenaya Darlington: The New Cocktail Hour. Seit 117. Toronto Cocktail. 60 ml rye whiskey (Old Overholt); 7 ml Fernet-Branca; 7 ml simple syrup; 2 dashes Angostura bitters; garnish: orange or tangerine twist.

2016 Brad Thomas Parson: Amaro. Seite 108. Toronto. 2 ounces rye or Canadian whiskey; 1/4 ounce Fernet-Branca; 1/4 ounce Demerara syrup; 2 dashes Angostura bitters. Garnish: orange twist. Demerara syrup, Seite 118: 1 cup Demerara sugar; 1 cup water.

2016 Jamie Boudreau & James O. Fraioli: The Canon Cocktail Book. Seite 286. Toronto Cocktail. 2 ounces rye; 1/4 ounce Fernet-Branca; 1/4 ounce simple syrup; 2 dashes Angostura Bitters; garnish: flamed orange peel.

2017 Jim Meehan: Meehan’s Bartender Manual. Seite 335. Toronto. 2 oz. Lot No. 40 Canadian rye whiskey; 0,25 oz. Fernet-Branca; 0,25 oz. Demerara syrup; 2 dashes Angostura bitters; garnish: 1 orange twist.

explicit capitulum
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über

Hallo, ich bin Armin, und in meiner Freizeit als Blogger, freier Journalist und Bildungstrinker möchte ich die Barkultur fördern. Mein Schwerpunkt liegt auf der Recherche zur Geschichte der Mischgetränke. Falls ich einmal eine Dir bekannte Quelle nicht berücksichtigt habe, und Du der Meinung bist, diese müsse berücksichtigt werden, freue ich mich schon darauf, diese von Dir zu erfahren, um etwas Neues zu lernen.